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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #1
    Registrierter Benutzer
    Mitglied seit
    07.08.2017
    Beiträge
    1

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    Hallo allerseits,

    Ich habe mich hier in diesem Forum angemeldet, weil ich mit etwas nicht klarkomme... mein Traum war es schon immer, im medizinischen Bereich tätig zu sein.
    Das habe ich auch teilweise geschafft.
    Mittlerweile bin ich im RD tätig.

    Davor war ich auch am Krankenhaus, man kann also sagen, mit Toden habe ich mehr oder weniger oft Bekanntschaft gemacht und konnte es bis jetzt auch relativ gut verarbeiten. Meistens auch, weil es ohnehin schon Personen waren, die im hohen Alter starben. Da ging das mit dem Verarbeiten doch recht gut.

    Aber wir hatten nun neulich einen Vorfall, der echt umbeschreiben war... ich muss ehrlich gestehen, ich könnte deshalb fast heulen...

    Es gab den Einsatz, dass eine Frau einen Motorradunfall hatte. Als wir da hinkamen, sah es anfangs gar nicht schlimm aus... Vordiagnose durch NA war offener Unterschenkelbeinbruch beidseitig und Gehirnerschütterung... Die Patientin war erst Anfang 20 und eine bildhübsche junge sportliche Frau...
    Wir haben sie dann transportfertig gemacht und sind auf ins nächste KH. Davor hat man noch intubiert und Schmerzmittel verabreicht, weil die Frau geschrieen hatte, wie am Spieß... sie war halb verrückt vor Schmerzen.

    Im RTW ging plötzlich der Tubus raus... Allergieschock. Wir haben alles versucht... Reanimation ohne Erfolg...

    Da ging erstmal ein Moment der Stille durch den RTW...

    Wir waren alle total fertig... du denkst, in ein paar Minuten hast du deine Patientin im OP und dann kommt aus heiterem Himmel sowas... das ist so eine geringe Chance, das man auf eines der Medikamente so eine Reaktion zeigt...

    Schlimm war's nur, als der Lebensgefährte davon erfuhr... der dachte, wir hätten fahrlässig gehandelt... der war komplett am Boden zerstört...

    Mich verfolgt das immer noch... ich hätte am liebsten den Job geschmissen... aber es war doch immer ein Traum...

    Hattet ihr schon mal eine ähnliche Situation und wie habt es ihr geschafft, da aus dem Loch zu kommen?

    Grüße,
    Patrick :/



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  2. #2
    Administrator Avatar von Brutus
    Mitglied seit
    17.01.2011
    Ort
    Bochum
    Semester:
    Facharzt
    Beiträge
    8.797
    Und jetzt willst Du von uns wissen, warum Deine Lebensgefährtin damals im RTW verstorben ist?
    Diese Antwort kann niemand von uns geben, weil niemand dabei gewesen ist. Wenn Du also der Lebensgefährte bist, dann such Dir professionelle Hilfe. Die Feuerwehren, Polizei, Kriseninterventionsteams helfen Dir weiter. Kontakt über Feuerwehren, Polizei, Krankenhäuser, Kirchen...

    Wenn Du doch einer des Rettungsteams sein solltest: Such Dir professionelle Hilfe. Aufarbeitung im TEAM, Kriseninterventionsteam, Psychologen, etc. Niemand war dabei und kann Dir erklären, was letztendlich passiert ist.

    Und zur Frage: Ja, immer wieder mal. Gerade am Anfang etwas häufiger, mittlerweile nicht mehr so oft. Ein Kollege (ÄLRD) hat mir damals gesagt: Wenn die Träume seltener werden ist es in Ordnung. Wenn nicht, komm vorbei und wir suchen professionelle Hilfe.
    Eine andere Kollegin meinte: "Nimm es Dir nicht so sehr zu Herzen." - "Zu spät..."
    Und immer wieder ins Gedächtnis rufen: wenn Dir so eine Geschichte nicht mehr nah geht, dann such Dir einen anderen Job.
    Und das Niveau liegt unter dem Bett und weint.

    Hallo. Ich heiße Ingo und ich werde gemobbt. - Halt die Fresse Ingo!!!

    9 von 10 Menschen finden Mobbing gut!



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  3. #3
    Fleißbienchen-Sammlerin Avatar von Feuerblick
    Mitglied seit
    12.09.2002
    Ort
    Let the bad times roll!
    Beiträge
    27.580
    Da hilft nur: Professionelle Hilfe suchen und das Erlebnis aufarbeiten. Sich Gedanken machen ist normal. Aber psychisch schwer belastet sein, geht zumindest wenn es länger anhält, darüber hinaus. Dann braucht man Hilfe.

    Ich für meinen Teil hatte trotz übler Einsätze niemals Probleme mit der Aufarbeitung, hatte nie schlimme Träume nach Einsätzen. Zum einen, weil wir unter Kollegen diese Einsätze direkt nachbesprochen haben und zum anderen, weil ich von Anfang an im Kopf hatte, dass jeder Patient, den ich sehe, potentiell versterben kann. Auch der junge, gesunde Mann mit seiner Schnittwunde am kleinen Finger. Niemand kann wissen, ob beim Patienten eine Allergie oder sonst eine Fehlfunktion lauert. Nicht in der Klinik und schon gar nicht im Rettungsdienst. Wenn man sich das bewusst macht, kann man auch mit wirklich tragischen Verläufen besser klarkommen und sich eher distanzieren, denke ich.
    Erinnerung für alle "echten" Ärzte: Schamanen benötigen einen zweiwöchigen Kurs mit abschließender Prüfung - nicht nur einen Wochenendkurs! Bitte endlich mal merken!

    „Wir woll´n tun, was uns Spaß macht und so sein wie wir sind. Wir verstecken uns nicht mehr. Der Tanz der wilden Herzen beginnt!“ (Tanz der Vampire)



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  4. #4
    PalimPalim! Avatar von epeline
    Mitglied seit
    16.02.2009
    Ort
    Krabbelgruppe
    Beiträge
    6.794
    Naja. Ich finde, es darf einen schon berühren, was man erlebt. Neben dem unmittelbaren Kontakt zum Patienten erlebt man ja auch heftige und intime Gefühle bei den Angehörigen. Dies geht mir meistens näher als der Patient selber, da wahrt man irgendwie anders Abstand. Ich zumindest.
    Und es gibt immer mal Patienten, die gehen einem näher als andere Fälle. Und manchmal überlegt man auch, ob das eigene Handeln zu einem schlechten Outcome beigetragen hat. Da hilft dann oft, das ganze mit Kollegen zu besprechen. Es gibt auch rückblickend immer noch Situationen, die mich sehr berührt haben und die schlicht weg traurig sind....
    Ich möchte auch kein Roboter sein, der von sich sagt, dass er alles immer mit professionellem Abstand erlebt und keinerlei Mitgefühl hat.
    Aber natürlich dürfen die schlechten Gefühle nicht über dein Leben und deine weitere Tätigkeit bestimmen. Man muss einen Weg finden, sich emotional zu distanzieren.
    "First cut is the deepest"... Vielleicht war das die erste schlimme Situation für dich, weswegen es dir so schwer fällt, damit umzugehen. Sprich mit Kollegen, auch mit beteiligten. Nicht in dich hinein fressen. Und denke auch an die, denen du helfen konntest. Im Zweifel wirklich professionelle Hilfe suchen!
    Aber bitte nicht versuchen, kein Mitgefühl mehr zu haben.



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