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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #1
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    In meiner Abteilung kam nach mehr als einem Jahr Abwesenheit ein OA zurück, der noch vom vorherigen Chef eingestellt war. Leider zeigte sich und zeigt sich immer noch, dass er fachlich ganz und gar nicht auf dem Stand der Dinge ist und in meinen Augen teilsweise eine Gefahr für unsere PatientInnen darstellt.
    Vor allem im OP-Saal (operatives Fach) hat man nicht das Gefühl, dass man mit einem OA zusammenarbeitet - eher scheint es eine Rollenvertauschung zu geben... (--- und das ist für meine Ausbildung alles andere als was ich mir vorgestellt habe)
    Wie soll man denn damit umgehen? Unter den AssistenzärztInnen sind wir uns unschlüssig - es fehlt aber ganz massiv das Vertrauen in die oberärztlichen Fähigkeiten.
    Vielleicht kann jemand seine eigenen Erfahrungen schildern.
    Ich selbst versuche mir auf die Zunge zu beißen -- bin da aber nicht gut drin und befürchte arge Komplikationen.



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  2. #2
    Diamanten Mitglied
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    1.053
    Hatte so ein ähnliches Problem in bisher zwei Abteilungen in völlig unterschiedlicher Form. In einer Abteilung war es so, dass der betreffende Oberarzt immer irgendwie Ausreden gesucht hat warum er grad nicht in den OP kann, was er sonst noch alles zu tun hätte etc. Und wenn er dann im OP war, hat er immer operativ eher so die Minimalvarianten gewählt. Möglichst schnell, möglichst sicher, kurz- und langfristige Ergebnisse egal. Notfälle die am Vortag kamen: waren nicht so schlimm, oh, haben sich nun doch über Nacht verschlechtert. Apropos "kurzfristige Ergebnisse egal": in der Infektsituation immer nur den Teil des Implantats rausgemacht den man sehen konnte / der unter Eiter stand. Der Rest blieb drin und hat erst noch ein paar Tage Schonfrist / Gährung bekommen bis der Gär-Prozess soweit abgeschlossen war, dass der Rest doch raus musste. Dessen OP-Berichte hingegen: brilliant geschrieben. Wahre Meisterwerke der Eloquenz. Und das meine ich ernst. Die liest du und glaubst "natürlich musste die OP so verlaufen"...

    Ich hatte dann mal ein langes Gespräch mit dem Chef. Er hat mir dann bzgl. dieser Situation ein paar Dinge erklärt bzw. klargestellt:
    - einen chirurgischen Oberarzt ersetzt man sehr sehr viel schwerer als einen Assistenzarzt. Alleine schon ob die Verwaltung eine neue Stelle wieder ausschreiben / genehmigen würde, dann braucht man erst mal einen Kandidaten, dann muss der passen etc. Also Ersatz ist schwierig.
    - Oberärzte garantieren die Konstanz einer Abteilung. Während Assistenzärzte üblicherweise 6 Monate bis 5 Jahre bleiben, als Fachärzte dann ggf. nochmal 5 Jahre, bleiben Oberärzte meistens >10Jahre. Es werden damit Standards weitergegeben, eine konstante Qualität aufgebaut etc.
    - einen Oberarzt rauswerfen ist noch schwieriger. Der hat einen unbefristeten Vertrag, ist z.B. im öffentlichen Dienst seit über 10 Jahren angestellt und damit quasi unkündbar. Sich da jetzt auf maximale Konfrontation stellen und versuchen ihn über alle Fehler in der Patientenversorgung rauszuwerfen ist quasi unmöglich und würde auch unberechenbare Konsequenzen für die Abteilung nach sich ziehen
    - bzgl. OPs hat dieser Chef es möglichst so gemacht, dass das Verursacher-Prinzip galt. Also wenn einer bei einem Patienten zu operieren begonnen hat, dann musste dieser auch die Folgeeingriffe ausbaden. Das hat zur Folge, so die Hoffnung, dass man sich bemüht es gleich richtig zu machen, denn man kommt eh nicht davon. War auch erzieherische Maßnahme für den einen Oberarzt und Besänftigung für die anderen Oberärzte. st ja auch nervig wenn man regelmäßig die Sch... der anderen ausbaden soll.
    - den Oberarzt von OPs auszunehmen wegen Patientengefährdung ist auch keine sinnvolle Option, schlechte Arbeit darf auch nicht belohnt werden. Er ist Facharzt, wird entsprechend bezahlt und muss auch eigenverantwortlich schauen wie er auf dem aktuellen Wissensstand bleibt.
    - Signal gegenüber anderen Oberärzten: würde der Chef mehr auf die Assistenten als auf seine Oberärzte hören, hätte das auch einen Vertrauensverlust der anderen Oberärzte zur möglichen Folge. Was würde passieren wenn sie mal in Ungnade fallen würden.



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  3. #3
    Registrierter Benutzer
    Mitglied seit
    26.02.2009
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    17
    danke für die ausführliche Antwort! sowas habe ich auch schon vermutet... wie bist du selbst mit der Situation umgegangen? OP-Assistenz kann man ja z.B. so oder so machen --- wie soll man sich professionell verhalten, wenn man sich um seine eigene Weiterbildung sorgt, weil man keinesfalls was falsches lernen will, aber auch nicht wissen kann, was hier alles gerade wirklich falsch läuft :/



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  4. #4
    unsensibel Avatar von Lava
    Mitglied seit
    20.11.2001
    Ort
    schon wieder woanders
    Semester:
    FA
    Beiträge
    28.215
    Literatur lesen, Fortbildungen besuchen. Je mehr man das macht, umso mehr merkt man, dass an der eignenen Klinik eigentlich meistens nicht nach den allerneuesten Erkenntnissen und Leitlinien gehandelt wird Mich hat das auch sehr ernüchtert und teilweise enttäuscht. Teilweise musste ich Patienten Behandlungen empfehlen, von denen ich weiß, dass 95% oder mehr aller anderen es nicht so machen und es einfach nicht richtig ist. Mein Versuch, einen Patienten unauffällig woanders hinzulotsen, wurde enttarnt und das gab Ärger.
    "tja" - a German reaction to the apocalypse, Dawn of the Gods, nuclear war, an alien attack or no bread in the house Moami



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  5. #5
    Registrierter Benutzer
    Mitglied seit
    26.02.2009
    Beiträge
    17
    ja genau... und wie gehst du mit dem darauffolgenden Frust um?
    An die Uniklinik wechseln?



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