Burnout im Studium
Der Druck steigt
MEDI-LEARN Redaktion
Stundenlanges Lernen. Eine Klausur jagt die andere. Keine Pause mehr möglich. Das schlechte Gewissen wird immer größer. Der Druck steigt. Um den Anschluss nicht zu verlieren, wird ununterbrochen weiter gelernt. Freie Zeiten werden zusammengestrichen. Genauso die Schlafenszeit. Je mehr Zeit du wach bist, desto mehr Zeit hast du zum Lernen. Müdigkeit und Erschöpfung zählen nicht als Gründe für eine Auszeit. Dadurch wird der Stoff schließlich nicht weniger. Und die nächste Klausur kommt bestimmt.
Was für dich möglicherweise dramatisch klingt, ist für manche Medizinstudenten Realität. Aus Sorge nicht genug zu lernen und den Anforderungen des Studiums nicht zu genügen, lernen sie ohne Unterbrechung. Dabei erschöpfen sie sich soweit, dass sie auch in längeren Ferienzeiten keine Erholung mehr finden. Sie geben Hobbys und Freundschaften auf, um mehr Zeit in das Studium investieren zu können. Dabei merken sie oft nicht, dass sie sich damit zugrunde richten. Schließlich könnte die Diagnose dann „Burnout“ lauten und das Ende des Studiums bedeuten.
Das Thema Burnout ist aktuell und wird viel diskutiert. In den MEDI-LEARN Foren gab es daher eine Umfrage zu dem Thema „Burnout im Studium – ist es das wert?“ und einen kurzen Meinungsaustausch der Forennutzer. Es war möglich, mehrere der vorgegebenen Antwortmöglichkeiten zu wählen. Knapp 42 Prozent der teilnehmenden Studierenden waren der Ansicht: „Im Studium muss es heißen ‚Augen zu und durch’“. Ähnlich oft wurde „Ich komme meist mit dem Stoff gut zurecht und fühle mich nicht überfordert“ (40 Prozent) angeklickt. Jeder Fünfte Nutzer gab zu, dass er sich häufig niedergeschlagen fühle und oft das Gefühl habe, ihm wachse alles über den Kopf. Und knapp ein Drittel äußerte die Meinung, dass ein Student, der körperlich oder psychisch unter dem Studium leidet, seine Wahl überdenken sollte und möglicherweise nicht für ein Medizinstudium gemacht ist.
Im Rahmen der sich anschließenden Diskussion äußerten einige Forennutzer, dass ihnen eine Antwortmöglichkeit fehle: Ihnen ist zwar der Stoffumfang zuviel und sie fürchten, dass sie es nicht schaffen; dennoch entspannen sie sich und kommen durch. Daneben machte sich in den Wortbeiträgen Unverständnis breit. Es handelt sich doch lediglich um ein Studium, für das sich kein Mensch kaputt machen müsste. Studierende anderer Fachrichtungen würden noch viel mehr lernen und das auch hinbekommen, hieß es mit Blick auf die Juristen.
Ein Teilnehmer äußerte mit seiner Meinung Zustimmung, denn er sah das Problem nicht im Studium selbst begründet, sondern in den Fragen des IMPP. Dort werde vor allem unnützes Detailwissen abgefragt, das in keinem sinnvollen Zusammenhang zur ärztlichen Ausbildung steht. Es sei sinnvoller für alle Beteiligten, wenn in Prüfungen Sachverhalte abgefragt werden, die dem Studierenden das Gefühl geben, dass er Fortschritte im Lernstoff macht und so dem Ziel des Arztberufes näher kommt. Bei den IMPP-Fragen sei das nicht der Fall.
Da das IMPP in absehbarer Zeit seine Fragen wohl nicht ändern wird, bleibt den meisten Medizinstudenten wohl nur die Antwortmöglichkeit „Augen zu und durch!“. Gleichzeitig zeigen Umfrage und Diskussion zwei Dinge: Während ein Drittel der Teilnehmer sich beeinträchtigt fühlt, wird gleichzeitig vielfach Unverständnis darüber geäußert. Dadurch wird ein offener Umgang mit diesem sensiblen Thema erschwert.