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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #1
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    Hallo zusammen,

    mich würde interessieren was ihr vom Pflicht-Pflegepraktikum hält.
    Mir ist durchaus bewusst, dass das Pflegepraktikum dazu dienen soll und den Sinn hat, Medizinstudenten in den Krankenhausalltag einzuführen etc.

    Auf die Petition, das Pflegepraktikum auf zwei Monate zu kürzen antwortete der Bundestag unter anderem folgendes:

    ,,[...]Die Dauer des Krankenpflegedienstes ist mit der Reform der ÄApprO 2002 von zwei
    auf drei Monate verlängert worden. Dies war laut Begründung
    (Bundesratsdrucksache 1040/97, S. 94) notwendig, um den frühen Umgang mit
    Patientinnen und Patienten und den daraus folgenden Einblick in grundlegende
    praktische Aspekte der Krankenversorgung zu ermöglichen. Der längere
    Krankenpflegedienst sollte neben der Aufgabe den Studienanwärter oder
    Studierenden mit pflegerischen Aspekten vertraut zu machen, auch dem Zweck
    dienen, ihn in den Betrieb und den Organisationsablauf eines Krankenhauses
    einzuführen, damit der künftige Arzt das Zusammenwirken verschiedener
    Gesundheitsberufe kennenlernt. [...]''

    Ich denke überhaupt nicht, dass dieser eine Monat mehr uns soviel Neues beibringen kann. Selbst ein zweiwöchiges Praktikum würde ausreichen, um uns einen Einblick in den Krankenhausalltag zu ermöglichen.

    Aber nicht nur das ist meine Meinung: ich finde das Pflegepraktikum überhaupt nicht notwendig, schließlich absolvieren wir später ja auch eine Famulatur, wodurch wir einen Einblick in die Praxis bekommen und wenn man sich andere Länder ansieht, in denen Medizinstudenten kein Pflegepraktikum absolvieren müssen; sind die Ärzte da schlechter als wir? Nicht im geringsten! Das Pflegepraktikum macht einen Mediziner nicht im geringsten qualifizierter, wenn man zudem beachtet, dass man in einigen medizinischen Bereichen wie der Psychiatrie als Beispiel keine pflegerische Tätigkeiten benötigt.

    Ich finde die Verpflichtung zum Pflegepraktikums soll abgeschafft werden und nur freiwillig sein, so haben Medizinstudenten, die einen Einblick in pflegerische Tätigkeiten gewinnen wollen, die Möglichkeit und Chance, dies zu tun; dem einen oder anderen kann ein Pflegepraktikum Spaß machen, meine Meinung ist nicht, dass das Praktikum eine reine Zwangsarbeit ist. Aber nicht nur machen viele Studenten dieses Praktikum mit Widerwillen; vielen raubt das drei-monatige Praktikum unblaublich viel Zeit, vor allem dann, wenn Studenten das Praktikum nicht vor dem Studium beginnen, sondern während der Semesterferien absolvieren müssen. Und das Medizinstudium ist kein Kinderspiel, die Semseterferien sollten Medizinstudenten zum Lernen nutzen dürfen! anstatt die Semsterferien mit Aufgaben, die einem nicht wirklich viel bringen, sozusagen zu verschwenden. Dazu kommt, dass das Pflegpraktikum noch nicht mals bezahlt wird. Man opfert seine Zeit und bekommt keine Gegenleistung, außer, dass diejenigen, die ein Praktikum machen wollen mit Erfahrungen, an denen sie sich gerne zurückerinnern wollen, bereichert. Andere erinnern sich aber weniger gerne daran und die weniger angenehmen Aufgaben kosten ihnen große Überwindung. Ich weiß, dass einige Praktikanten von wertvollen Erfahrungen berichten, meiner Meinung nach, ist das Pflegepraktikum trotzdem eine Ausbeutung. Wenn wir schon weniger angenehmen Aufgaben machen müssen und drei Monate lang Fäkalien und ähnlichen ekelerregenden Substanzen ausgesetzt werden, sollen wir wenigesten eine Vergütung bekommen. Stattdessen werden wir als billige Arbeitskraft ausnutzt, klar, die Krankenhäuser müssen uns nicht bezahlen.

    Natürlich gibt das Pflegepraktikum dem einen oder andere wertvolle Erfahrungen, wie viele selbst berichten, aber für andere ist das Pflegepraktikum weniger erfreulich, sondern eher eine unbezahlte Zeitopferung; aus diesem Grund, sollte das Pflegepraktikum freiweillig sein, aber auf keinen Fall verpflichtend. Natürlich profitiert jeder von einem Pflegepraktikum, auch diejenigen, denen das für ihren Beruf nichts bringt, denn man gewinnt ja einen Anblick in einen anderen Bereich, der fern von z.B. der Psychiatrie ist. Aber Erfahrungen in anderen Bereichen zu sammeln kann ja nicht schaden, das sehe ich schon ein. Aber warum uns Medizinstudenten dazu zwingen, wenn viele das nicht wollen. Natürlich ist es schön, sich sozial zu engagieren, aber soziales Engagement ist doch nicht schön, wenn es aufgezwungen wurde und mit Widerwillen gemacht wird. Klar will jeder Mediziner Menschen helfen, sonst hätten wir den Studiengang ja nicht gewählt, aber nicht jeder will unbedingt in direkten Kontakt mit Körperausscheidungen o.ä. kommen, damit meine ich direkten Kontakt mit der Haut; Horrorgeschichten über Unfälle, die Fäkalien etc. beinhalten, gibt es etliche; aber natürlich können die Patienten nichts für. Andererseits gehört der Umgang mit Körperflüssigkeiten, wie Blut etc. nun mal zum Medizinstudium dazu...

    Ich habe bereits mit dem Gedanken gespielt eine Petition zur Abschafftung der Verpflichtung zum Pflegepraktikum zu schreiben, auch wenn die Chancen gering stehen und es eher ein utopischer Gedanke ist. Und vielleicht bleibt es nur ein Gedanke... Für die tatsächliche Umsetzung brauche ich aber natürlich Zustimmungen und würde gerne auch eure vielleicht sehr unterschiedliche Meinung wissen.

    Der Beitrag ist wohl doch länger geworden als gedacht, sorry dafür
    Liebe Grüße



  2. #2
    Registrierter Benutzer
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    07.09.2018
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    35
    "Wer führen will muß dienen können!"

    Darum geht es eigentlich, bzw. es ist zumindest ein wesentlicher Aspekt. Natürlich wird das so nicht öffentlch gesagt, aber ich denke, die Verantwortlichen hatten genau das im Sinn. Drei Monate sind daher auch ein guter Zeitraum, denn wenn man sich nicht einfügt, liegt doch noch eine Menge vor einem. Da man das PP in drei Teile zergliedern darf, die man auch an unterschiedlichen Orten machen kann, hat man sozusagen dreimal die Chance, korrekt zu funktionieren.

    Wenn ich ehrlich bin, dann denke ich, dass es für viele Medizinstudenten gut wäre, wenn man dam Pflegepraktikum noch 1 Monat als Reinigungskraft im Krankenhaus vorschaltet! (nicht das, was Schwester oder Pfleger (mit)machen, sondern Grundreinigung) Inklusive der Kommunikation mit den Vorarbeitern derartiger Firmen/Dienstleister. Mal 4 Wochen Untergebener anderer Bevölkerungsschichten (Schwestern und Pfleger sind nämlich schon Gold!) sein ...das übt!

    Das Pflegepraktikum wegfallen zu lassen ist wie eine Diskussion, ob man nicht Offizier bei der Bundeswehr werden könnte, ohne von Ausbildern in der Grundausbildung mal ordentlich (und auch manchmal ungerecht!) geschliffen worden zu sein!

    Gruß, Ecki

    PS: Ich bin derzeit noch als Elektroingenieur in einer Leitungsfunktion und kriege immer die Kriese, wenn E-Technik Studenten (Werkstudenten) höherer Semester nicht mal einfachste Lötarbeiten an Prototypen (kleine Abänderungen) selber ausführen können.



  3. #3
    ehem-user-11022019-1151
    Guest
    Zitat Zitat von Eckhart Beitrag anzeigen

    Wenn ich ehrlich bin, dann denke ich, dass es für viele Medizinstudenten gut wäre, wenn man dam Pflegepraktikum noch 1 Monat als Reinigungskraft im Krankenhaus vorschaltet! (nicht das, was Schwester oder Pfleger (mit)machen, sondern Grundreinigung) Inklusive der Kommunikation mit den Vorarbeitern derartiger Firmen/Dienstleister. Mal 4 Wochen Untergebener anderer Bevölkerungsschichten (Schwestern und Pfleger sind nämlich schon Gold!) sein ...das übt!
    .
    Ich denke, dass du das dann auch für ALLE anderen Berufe verlangen solltest. Was ist bei einem Medizinstudenten so anders als bei einem BWL-Studenten?
    Wenn ich einem BWLer gesagt hätte, er soll während seinem Studium in der Firma, in der er jobbt, als Reinigungskraft arbeiten, damit er das "dienen" übt, würde er wahrscheinlich lachend weggehen.

    Ich sehe es nicht ein, warum ich das, nur weil ich Medizinstudent bin, machen soll. Keineswegs würde ich verlangen, das Pflegepraktikum abzuschaffen; aber man kann auch übertreiben.



  4. #4
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    Ich finde ja das Pflegepraktikum per se schon sehr sinnvoll ist. Man lernt da am Anfang schon viele Basics, so dass man später bei Famulaturen auf das medizinische konzentrieren kann. (Angefangen von Basics - Z.B wie und wo und wann werden Infusionen vorbereitet, wie erfolgt die Müllentsorgung, was für Pflegehilfsmittel gibt es und wo finde ich die, Händedesinfektion, Blutdruckmessen, DK Beutel leeren, erster Patientenkontakt, Umgang mit allen Exkrementen).

    In dem Form wie es aktuell durchgeführt wird, wo alles weitere, was Ärzten durchaus nützlich ist (Infusionen richten, Patienten richtig drehen, richtig waschen, Blutzuckermessen, Zuschauen bei verschiedenen Untersuchungen, Visite, Pflegeanamnese etc) nur ein reiner Zufall ist ob es einem beigebracht wird oder nicht, wo keine strukturierte Praxisanleitung stattfindet, und die völlig sinnlos nur auf die stationäre Pflege fixiert sind - in diesem Form sind 3 Monate übertrieben. Da finde ich zwei Monate ein guter Richtwert.

    Aber natürlich sind es 10 000 (oder mehr, wenn man die Bewerber, die kein Studiumsplatz bekommen haben) junge Menschen mit Abitur und manchmal 1 Jahr Medizinstudium, die in Vergleich zur Pflegehelfer (Hauptschulabschluss und 1 Jahr Ausbildung), kostenlos arbeiten.

    Vor ca 5-6 Jahren gab es Versuch seitens bvmd nochmal die Reformierung zu erzwingen. Da war die Idee es entweder auf zwei Monate zu verkürzen oder 3 Monate mit einer strukturierten Ausbildung (begleitende Theorieausbildung, Praxisanleitung, verbindliches Lernzielkatalog) anzufangen mit erweiterten Rotationsmaßnahmen (was ist mit Arzthelferinen? Praxen? Physiotherapie? Logopädie? MTA? MTRA? Notaufnahme? Rettungsdienst?) Da ist man auf Riesenwiderstand von allen Seiten gestoßen. Natürlich die Krankenhäuser, da ihnen die kostenlose Arbeitskraft verloren geht, von den Unis null Interesse, da alle Lehrreformen (Z.b Praxisanleitung, begleitende Seminare) Geld kosten, und auch seitens der Pflege (s. Post von Eckhart - a la versnobte, faule Medizinstudenten, die nie gearbeitet haben und zu viel von sich denken) und auch innerhalb der Studentenschaft, V.a von Studenten die vorher in der Pflege gearbeitet haben ( Es ist ein wunderschönes Beruf, wo ich 7 Jahre gearbeitet habe und ihr Schnösel wollt da nichtmal für drei Monate arbeiten) oder Studis die durch irgendein Wunder oder auch Vit B12 innerhalb der Klinik ein wirklich gutes KPP hatten. Da hat es einfach nix gebracht und ich glaube nach einer mittelmäßigen Positionspapier habe ich davon nie wieder was gehört.
    Geändert von Nessiemoo (05.12.2018 um 00:45 Uhr)



  5. #5
    badet in Sterillium Avatar von Oops!
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    Ich stoße mich gar nicht an den drei Monaten Praktikum, sehr wohl aber an der Tatsache, dass es in der Krankenpflege sein muss.

    Wesentlich sinnvoller fände ich eine Aufteilung des Praktikums: meinetwegen 4 Wochen verpflichtend in einer Station, wobei die Grundlagen der Krankenpflege gelernt werden.
    Halte ich auch für sinnvoll, diesen Zeitraum 1/3 des Praktikums einnehmen zu lassen, weil wir mit der Pflege (bis zur eventuellen Niederlassung) am häufigsten zu tun haben.

    Die restliche Zeit würde ich dann nach freier Wahl zulassen:
    verlängert in einer Station oder in der Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Seelsorge, beim Sozialdienst, in einer Rehaklinik, beim Niedergelassenen oder zB beim Rettungsdienst oder in der ambulanten Krankenpflege.

    Denn das sind ebenfalls wichtige Stellen, mit denen wir später - mehr oder weniger eng - zusammenarbeiten bzw. was wir verordnen oder dem Patienten anbieten (zB Seelsorge).

    Die wenigsten wissen, was Vertreter dieser Berufsgruppen machen und wie genau die korrekten Verordnungen aussehen müssen.

    Also ja - drei Monate Pflichtpraktikum finde ich völlig in Ordnung; für eine Reform wäre ich allerdings gern zu haben
    Ist wie ne Tür - musste durch!






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