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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #16
    badet in Sterillium Avatar von Oops!
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    Sicher - drei Monate sind wirklich sehr lang und ich stecke jetzt selbst in sehr engen zeitlichen Rahmenbedingungen.

    Ich gebe nur zu bedenken, dass auch andere Studiengänge unbezahlte Praktika fordern - been there, done that.
    Lustig war das keineswegs, Spaß gemacht hat es trotzdem, drüber diskutieren war müßig.
    Muss gemacht werden, Achselzucken, machen, freundlich sein, fertig.

    Versteht mich nicht falsch: es ist mir schon im Vorfeld bei der Bewerbung übel aufgestoßen, dass eine Zuständige „entsetzt“ war, weil ja Praktikanten soooo viel Arbeit machen (hier ein dramatisches Seufzen einfügen).
    Gut - dann eben ein anderes Haus, ist mir echt wurscht.

    Um die grundsätzlichen Abläufe auf Station kennenzulernen, muss man nicht gerade hochbegabt sein - manchmal finde ich, dass schon fast etwas zu viel Zirkus gemacht wird.
    „Dies ist ein Krankenhaus, seht ihr? Und das da... das sind Patienten!“

    Allerdings habe ich mittlerweile auch den Eindruck gewonnen, dass es manchem gar nicht so schlecht zu Gesicht steht, mal ein wenig Rangordnung zu lernen.
    Ein Anspruchsdenken wie nix Gutes - aber beim menschlichen Körper nicht wissen, wo Kopf und wo Hintern ist.
    Erstaunlicherweise handelt es sich um dieselben, die grundsätzlich sämtlichen Vorgesetzen unangenehm auffallen und die sich darauf berufen, dass sie ja von schon beinahe adliger Herkunft sind (ohne adelig zu sein).

    Nur wenn sich jemand verhält als gehöre ihm die Welt und er könnte übermorgen schon Krebs heilen, hat es im Elternhaus möglicherweise sehr viel Applaus für jeden Scheiß des Nachwuchses gegeben - und genau diejenigen sind dieselben, die nach dem KPP am lautesten winseln.
    Und ja - das, was ich zu hören bekommen habe, war Winselei.

    Es gibt sicher Ausnahmen, bei denen tatsächlich allein die Verfügbarkeit eines „Arzt-Anwärters“ ausgenutzt wurde, um mit ihm „böse Spielchen“ zu spielen.
    Aber im Ernst: bricht hier irgendwem ein Zacken aus der Krone, der Pflegekraft beim Waschen des Patienten zu helfen? Oder Botengänge zu absolvieren? Aber Hauptsache, ins Fitnessstudio traben, weil man sich ja sonst so wenig bewegt... die Ironie des Ganzen erkennt ihr.

    Ich kenn mittlerweile sehr viele Pflegekräfte, sehr viele Stationen - es gibt gute und weniger gute.
    Ich bin ebenfalls schon angegangen worden aufgrund des Studium - aber hey: in meinem Leben gab‘s noch nie Applaus für das, was ich mache.
    Mir ist so ein Verhalten von Menschen, die mich kaum kennen, relativ egal.

    Es wird Zeit, auch den verwöhnten „das hast du aber toll gemacht!!!“ Kandidaten auch mal zu zeigen, wo der Hammer hängt.
    Zeit, sich ein dickeres Fell zuzulegen! Oder das eigene Verhalten zu reflektieren.
    Auch das ist Lernen fürs Medizinstudium und das Leben danach.

    Wenn sie erstmal begreifen, dass niemand auf sie gewartet hat, steigen sie vielleicht mal von ihrem Thron der Arroganz.
    Schadet nicht.

    Und jaja, Ausnahmen gibt es immer wieder - auf Seiten aller Beteiligten.



  2. #17
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    Oops, das klingt aber wie ein Argument, "Nur weil ich durch Scheiße musste, bin ich gegen aller Verbesserungen, andere sollen auch durch Scheiße durch", "Bei mir wars voll okay, deswegen kann man die schlechten Erfahrungen von anderen Menschen ignorieren." und "Was dich nicht tötet, macht dich stark". Das sind keine gute Argumente gegen Verbesserung von Arbeitsbedingungen und Lehre.

    Und das mit andere Fächern: ja, die müssen unbezahlte Praktika machen. Aber da wird zumindest das Arbeitszeitgesetz eingehalten, was ich von meinem Pflegepraktikum nicht sagen kann. Und was ich aus meinem Freundeskreis gehört habe, weniger körperlich anstrengend mit mehr Lerneffekt.



  3. #18
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    Bei mir wurde das Arbeitszeitgesetz eingehalten und wenn nicht, dann habe ich mich solange beschwert bis es geändert wurde. Ist vielleicht ein Grund mehr das Praktikum zu absolvieren. Am besten man lernt so früh wie möglich seine Rechte durchzusetzen.

    Ich würde manche am liebsten die komplette Ausbildung absolvieren lassen. Einfach so. Damit sie lernen wie die *Scheiße* wirklich fließt.

    Sonst würden auch locker 4 Wochen reichen.

    Zum Thema "man bräuchte die Ferien auch eher zum lernen": wer macht denn sowas?
    Erzähl mir nicht, wie meine Chancen stehen. (Han Solo)



  4. #19
    badet in Sterillium Avatar von Oops!
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    Nessiemoo - nein, keineswegs.

    Ich meine nicht dich im Folgenden, wenn ich „du“ verwende; und ich beziehe mich nicht ausschließlich auf das Medizinstudium.

    Von mir aus können alle Menschen auf Rosen gebettet sein.
    Nur die Realität sieht eben anders aus.
    Je früher das einigen klar wird, desto besser.

    Und der Motz-Faktor ist umso schlimmer je größer die Fallhöhe von „von Beruf Sohn/Tochter“ zu „Willkommen in der Realität!“ ist.

    Es ist auffällig, wer am häufigsten meckert und wie er/sie sich dabei ausdrückt („Scheiße, langweilig, stinkig, alles widerlich, alles Mist,... immer... nie... Alles doof, außer der Feierabend!“)
    Gern auch „Da hab ich jetzt gar nix Neues gelernt, voll öde!“ - nur um wenige Wochen oder Monate später mit der Verknüpfung des vermittelten Wissens zwischen den Fächern überfordert zu sein - haben wir ja angeblich noch nie gelernt/gehört/besprochen.

    Es ist diese „Mir möge die gebratene Taube in den Mund fliegen!“-Einstellung, die mich anwidert.
    Bisher alles geschenkt bekommen, für nix malocht, alles wurde möglich gemacht - so möge es weitergehen? Krieg deinen Hintern hoch! Du bist wahlberechtigt, hast einen Führerschein und ein Girokonto - dann verhalte dich dementsprechend.

    Und wie respektlos sich diejenigen jeglichen Dozenten/Ausbildern/ allgemein temporären Vorgesetzten gegenüber verhalten, ist ebenfalls bemerkenswert.
    Es geht nicht um sachliche/ fachliche Kritik.
    Es geht um die vorherrschende Einstellung, dass sie selbst der Nabel der Welt sind, dass alles immer komfortabel und nett ist - die wirkliche Welt sieht anders aus.
    Die Erwartungshaltung, dass sie das Wissen im Skript serviert bekommen und die Dozierenden sollten besser/schöner/anders unterrichten.
    Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld...
    Umso größer ist die Verblüffung, wenn es mal einen - noch - dezenten Rüffel vom Vorgesetzten gibt.

    Lehrjahre - Herrenjahre.
    Es ist unsere Zeit, Lehre einzufordern - aber eben auch: anzudienen. Ich liefere die Vorleistung, bei spezielleren Fragen hilft mir der Vorgesetzte.
    Das ist in den meist zu verwöhnten Köpfen noch nicht angekommen.
    Entsprechendes Auftreten ist wie Graf Koks.

    Offenbar vergessen sie, dass jeder ersetzbar ist. Niemand hat auf dein Erscheinen gewartet. Du bist weder das Goldene Kalb noch die Erleuchtung für jedermann, auch wenn Mami, Papi, Omi und Opi dir bislang was anderes erzählt haben.
    In erster Linie machst du Arbeit.
    Du hast nix, du kannst nix und du bist ein Niemand.
    Alles muss dir beigebracht werden.
    Wie man Pulse tastet, Zugänge legt und wie man mit Patienten spricht, ohne sich eine Klage einzufangen.
    Etwas mehr Demut, bitte.

    Und es schadet auch nicht, mal Kontakt zu Patienten zu haben.
    Es ist in manchen Krankenhäusern vorgesehen, die Patienten zu Untersuchungen zu begleiten - mal ein nettes Wort, ein kurzes Gespräch... Patient/in freut sich, lächelt, erzählt vielleicht was, was er/sie sonst nicht loswerden kann - na, das ist doch schön!
    Warum nicht?

    Warum sollte ich meine vielleicht schlechte Laune am Patienten auslassen?
    Ob ich müde bin, Hunger habe, aufs Klo muss oder sonstwas - das geht den Patienten nichts an, es ist nicht seine Baustelle.
    Hinterher als Arzt ist es genau das gleiche!
    Wie kann ich erwarten, Patienten dauerhaft an mich zu binden, wenn ich mich wie ein arroganter Muffel aufführe?
    Wir alle haben Stress, Zeitmangel, ein wartendes Privatleben - die Kunst ist, mein Gegenüber das nicht spüren zu lassen.
    Können wir also ruhig im Kleinen schon mal üben.

    Genau wie die Gewöhnung an Arbeitszeiten.
    Das Gejammer ist schon jetzt riesig, weil Veranstaltungen bis zu einer bestimmten Uhrzeit stattfinden.
    Witzig, wenn ich meine gewohnten Arbeitszeiten mal daneben lege.
    Und ja, ich hab auch irgendwann zuhause mal vor Kraftlosigkeit geheult.
    Weil vier Stunden Schlaf pro Nacht irgendwann wehtun. Weil noch viel mehr Wissen in meinen Kopf muss. Weil ich einen Themenkomplex immer noch nicht verstanden hatte. Weil ich immer versuche, mein Bestes zu geben. Weil mein Privatleben anstrengend und fordernd ist.
    Ja - so what? Zehn Minuten heulen, Nase putzen, manche Parameter neu ausrichten, weitermachen.

    Den Patienten ganzheitlich zu betrachten, das ist später unser Beruf. Und das fängt auch dabei an festzustellen, wie furchtbar es ist, wenn zB die Windel gewechselt werden muss.
    Was für die Pflege unangenehm - aber Routine - ist, ist für den Praktikanten „Igittipfui“ und für den Patienten..? Für den ist das mit Scham, Unbehagen, Hilflosigkeit besetzt.


    Wir überschreiten jeden Tag Grenzen.
    Körperlich, seelisch, emotional.
    Die eigenen und die der Anderen.
    Je früher sich ein angehender Arzt darüber im Klaren ist, desto besser.


    Und viele aus gut behütetem Elternhaus kennen keine so morbiden Patienten so persönlich so nah - sei es ihnen gegönnt und jetzt „Willkommen in der Realität des Arztberufs!“


    Und wie ich im anderen Beitrag bereits geschrieben habe:
    mich selbst bringt das KPP momentan in zeitliche, persönliche, planerische Schwierigkeiten.
    Ich wäre also vermutlich die Erste, die Champagner* ausgibt, wenn das KPP gekippt oder modifiziert werden würde.

    (*Bier)


    Ich denke nur, es schadet der Persönlichkeitsbildung keineswegs, wenn jemand aus umsorgender, geschützter Umgebung und „immer im Mittelpunkt, immer alles toll“ mal sieht, wie die anderen Seiten der Medaille aussehen.
    Nur weil du aus gutem Hause bist oder Abitur hast, bist du keinen Deut wertvoller als jemand, der das nicht ist oder erreicht hat. Viele führen sich aber leider so auf.

    Du darfst im KPP sehen, welche Anweisungen du später geben wirst und wie sie umgesetzt werden, an wem und wie die Beteiligten sich dabei fühlen.
    Wie viele Windeln werden denn vom Niedergelassenen verordnet, wie viele werden tatsächlich benötigt, was genehmigt die Kasse, welchen Ärger hat der Patient damit zuhause?
    Worum bitte ich die Pflege? In welchem Tonfall, was bewirke ich damit?
    Natürlich kann ich den Herrscher-Stil anstreben - aber brauch ich den überhaupt? Ich kann ein Team auch kaputt steuern (sowohl über- als auch unterschwellig).

    Dass die Pflege durchaus „biestig“ drauf sein kann, weiß ich.
    Finde ich nicht gut, ist aber eben so.
    Ich kenn aber auch biestige Ärzte, zickig, launisch...
    Umgekehrt genauso - das Ganze in nett, sympathisch, freundlich.

    Und egal, um welchen Beruf es geht:
    wenn ich eine Pflichtveranstaltung belege, bin ich manchmal nicht aus freier Motivation da - aber ich bin halt da. Weil ich es muss.
    Also mach ich das Beste draus, bereite vor, arbeite mit und arbeite nach.
    Manchmal mit innerem Brechreiz, weil mir die Zeit für ein anderes Fach jetzt besser investiert schiene - dafür kann mein Dozent/Ausbilder/... aber nichts.
    Ich empfinde eine strikt ablehnende Haltung zudem als sinnfreie Kraftverschwendung.
    Bevor ich anfange, mit mir zu diskutieren, erledige ich es lieber - haben wir alle mehr von.

    Und hinterher stell ich oft fest: es war ein tolles Seminar/Praktikum/... - netter, bemühter Dozent, lebendige Vortragsweise, interessantes Thema, könnte mir nützlich sein für ein anderes Themengebiet,...
    Oder: das Pauken hat sich gelohnt, weil ich das Wissen jetzt an dieser Stelle anwenden kann.

    Meine Laune mal runterzuschlucken - auch das gehört zum Erwachsenwerden und -sein dazu.


    Und mal Hand aufs Herz:

    Wenn ich Unterricht veranstalte (im Großen oder Kleinen - Peerteaching oder was auch immer):
    wenn mir da einer mit Motzgesicht und Null-Bock-Einstellung gegenüber sitzt, finde ich das unangemessen.
    Ich bereite es vor, gebe mir Mühe und ernte von Einzelnen demonstratives Desinteresse - für die kurze Zeit können die sich mal zusammenreißen.
    Oder zumindest nicht am Handy spielen oder den armen müden Kopf auf den Tisch legen - die armen, kleinen, müden Hascherl...
    Wir alle sind müde. Die ganze Welt sehnt sich nach Schlaf, Erholung, Urlaub!

    Nur um hinterher zu fragen, wie dieser Inhalt jetzt mit einem anderen Inhalt zusammenhängt, ob ich dieses oder jenes - nochmal - erklären kann...
    Hätten sie ihre Hausaufgaben gemacht, wären die Fragen nicht aufgekommen.
    Das gleiche Verhalten den Vorgesetzen gegenüber.
    Während der Unterrichtseinheit am Handy zocken und dann aber erwarten, dass der Dozent im Anschluss seine Pause opfert, nur um dem verwöhnten Jüngelchen oder Papis liebstem Töchterlein die Kurzfassung des Seminars zu verpassen?
    Ernsthaft - das ist dreist.
    Scheinbar hat das Abitur nichts mehr von Matura, einer Reifeprüfung...

    Was die fehlende Bezahlung für das „ausgebeutet Werden“ angeht:
    Ungezählte Studierende protzen damit, welche Berufe in ihrer Verwandtschaft ausgeübt werden.
    Sprechen die Eltern mit ihrem Nachwuchs nicht über das Medizinstudium oder über Geld?
    Als ob je ein Elternteil sein studierendes Kind verhungern ließe, weil das Kind jetzt ins KPP geht.
    Im Weiteren kenne ich genügend ältere Studierende, nicht verheiratet, keine riesigen Rücklagen - auch dabei funktioniert es.
    Und erstaunlicherweise motzt von denen niemand...

    Wir können dankbar sein, dass wir nicht dafür zahlen müssen, dass wir ausgebildet werden.

    Und nein - ein Praktikum rechtfertigt keine Bezahlung. Schon mal erst recht nicht, wenn - in Relation gesetzt - kaum was geleistet wird.
    Du darfst keine Zugänge legen oder entfernen, du darfst keine Verbände wechseln, du darfst keine Blasenkatheter legen oder entfernen, du darfst nicht alleine umlagern, nicht alleine zur OP-Schleuse bringen - du darfst gucken, lernen und Botengänge erledigen.

    Es wird ein Gewese darum gemacht als müssten wie die Pyramiden versetzen!


    Und wenn ich mir als Pflegekraft (was ich zwar nie war, mich aber mal gedanklich reinversetze) die Mühe mache, den Praktikanten bei meiner Arbeit mitzuschleifen, dann erwarte ich ein Mindestmaß an Respekt.
    Heißt: Haare zusammen, Kleidung wie vorgeschrieben, Nägel kurz und unlackiert, kein Schmuck, pünktlich, Tagesgruß, ein Mindestmaß an Freundlichkeit, auch mal freiwillig die Spülmaschine ausräumen, Arbeitsanweisungen befolgen.
    Heißt auch: Teamwork.
    Und der Medizinstudent ist in dem Fall eben Teil des Pflegeteams.

    Wenn mir da also jemand gegenübersteht, der mir deutlich signalisiert, dass ich ja „nur“ Pflege bin und er/sie ja der/die große zu Höherem Berufene - und dass er/sie keinen Bock hat - warum sollte ich demjenigen mehr als das Notwendige beibringen oder demjenigen bei Irgendwas entgegenkommen?
    Wer sich seinerseits verhält wie eine offene Hose, wird in der Regel behandelt wie eine.

    Und Arroganz im Alter von ~ 20 Jahren kommt halt lächerlich rüber.
    Was hast du bislang erreicht?
    Du hast Laufen und Schwimmen gelernt, du kannst unfallfrei mit Messer und Gabel essen und du hast Abitur und Führerschein gemacht.
    Applaus. Gähn...
    Das ist sicher jeweils eine Leistung - allerdings keine, die dich so abheben lassen sollte, dass du keine Umgangsformen an den Tag legst.
    Die größten Menschen mit wirklich beeindruckender Vita, die mir bisher begegnet sind, sind diejenigen, die sich sozialadäquat verhalten. Uneingebildet, leise, bescheiden, freundlich und respektvoll - auch mir kleinen Anfänger-Amöbe gegenüber. Das ist Größe!

    Und was das Umsetzen von Arbeitsanweisungen angeht, hapert es dann doch:
    Meldeort und -zeit sind weder diskutabel noch auslegungsbedürftig.
    Labor heißt Kittel.
    Skript ausgedruckt heißt Skript ausgedruckt.
    Da gibt es nichts zu diskutieren.
    Anweisung vernommen, verstanden - ausführen.

    Wenn man so will können manche die nicht abgeleistete Zeit bei der Bundeswehr nachholen - in sanft, in rosa Dienstkleidung und ohne Schlamm-Maske im Gesicht.
    Und manch „ach so rüder“ Tonfall ist ein Klacks gegen das, was später folgt.
    Ob ein Oberarzt cholerisch wird, ein Patient durchdreht oder 20 Angehörige gleichzeitig „ganz genau ihre Rechte kennen“ - viel Spaß. Dann weißt du, was laut und unfreundlich ist.
    Aber da kann man ja dann darüber klagen, dass das Leben so hart ist. Und müde ist man auch. Und das Privatleben... ach, hach.
    Ja! Ist in anderen Berufen übrigens genauso.
    Und ja, klar ist das hart. Es ist nämlich das Leben.
    Niemand hat gesagt, es würde einfach werden.

    Eine so große Maschinerie wie ein Krankenhaus funktioniert nun mal nicht, wenn jeder macht, was und wie er es will.
    Gleiches gilt für die Forschung.
    Ich habe ein Laborbuch zu führen? Dann führe ich eins - ob mir das passt oder nicht, es ist Pflicht, wird gemacht, fertig.

    Erstaunlich, dass ich noch nie Probleme hatte, mich in irgendein Team einzufügen...
    Manchmal hakte es bei einzelnen Personen, manchmal war es ein Volltreffer.
    Aber funktioniert hat es immer.

    So war und ist es von mir gemeint.

    Wie gesagt: es gibt immer Ausreißer und Extremfälle - der nette Praktikant, der in der Schlangengrube landet, oder auch ein nettes Pflegeteam, was jemanden zum Praktikum erhält, der wie eine Axt im Walde agiert.

    Im Übrigen bin ich sogar froh, durch den Dreck gekrochen zu sein.
    Hat mir keineswegs geschadet.
    Im Gegenteil: ich weiß, dass ich jede Menge verkraften kann, ohne daran kaputt zu gehen.



  5. #20
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    Noch als Nachtrag - Nessiemoo:

    Mir sagte damals der oberste Chef: „(...)* Ich würde Ihnen gerne eine hervorragende Beurteilung schreiben, aber das darf ich leider nicht. Sie erhalten - wie gefordert - nur die Bestätigung, dass Sie das Praktikum absolviert haben. Danke für Ihre Arbeit und alles Gute!“

    *Darin enthalten sowas wie:
    - immer pünktlich
    - stets einwandfreies Verhalten Vorgesetzen gegenüber
    - fachlich erstklassige Arbeit
    - angenehme Kollegin
    - interessiert
    - hat sich eingebracht
    - team- und konfliktfähig
    - belastbar

    Es gab:
    - keine Bezahlung
    - kein Arbeitszeugnis
    - lange Arbeitszeiten
    - Überstunden
    - Schichtwechsel
    - körperlich (und so gesehen auch emotional) anstrengend
    - langes Praktikum
    - viel Arbeit

    Aber es gab auch:
    - tolle Vorgesetzte
    - spannende Einblicke
    - prägende Erfahrungen
    - Abwechslung
    - immens tolle Gespräche
    - sehr schnell (in Relation gesehen kleinere) eigenverantwortliche Aufgabenbereiche
    - Teamarbeit
    - auf interessierte Fragen ausführliche Antworten
    - die Bescheinigung, die ich brauchte

    Das war nur eins der Praktika, die ich machen durfte.
    Und ich hätte ohne Zweifel später dorthin zurückkehren können.
    Es schadet nie, jemanden zu kennen, bei dem ich einen guten Eindruck hinterlassen habe.

    Wie sagte mir mal jemand:
    „Wenn du willst, dass dir jemand auf die Schulter klopft, bist du im falschen Job.“

    Es gibt „schlimmere“ Studiengänge und Berufsausbildungen.
    In Bezug auf das KPP ist es „Jammern“ auf sehr hohem Niveau, meiner Meinung nach.
    Geändert von Oops! (06.12.2018 um 05:29 Uhr)



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