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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #6
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    Na ja, niemand wird gezwungen, Medizin zu studieren. Als Physiker und jetzt auch frisch gebackener Arzt würde ich jedem davon abraten, Medizin zu studieren, wenn er sich alle Inhalte logisch erschließen möchte. Die Frage ist aber, warum dann doch so viele Physik und Chemie im Studium hassen, wenn sie lieber logisch denken.

    Eine solide Wissensbasis ist wichtig, um gewisse Zusammenhänge nachzuvollziehen. Da kann man sich durchaus vieles über Analogien herleiten. Aber dass man viele Symptome, Medikamente etc. auswendig lernen muss, ist klar - du studierst ja Medizin und nicht Physik oder Mathe. Ich habe mich auch darüber geärgert, dass die Untersuchungen unter Supervision entweder nicht vorhanden oder lediglich ein paar wenige Male durchgeführt wurden. Aber es gehört leider auch dazu, sich Sachen aktiv anzueignen, sei es durch YouTube-Videos, Bücher oder Amboss. Und dann in Famulaturen, PJ etc. üben. Bei Fragen kann man die Ärzte immer ansprechen, fast niemand sagt nein. Und es macht einen sehr guten Eindruck, wenn man sich zumindest grob mit dem Thema auskennt und bestimmte Inhalte vertiefen/besser verstehen möchte. Das habe ich mir auch so für die Assi-Zeit vorgenommen - viel alleine lernen und bei fachlichen Fragen den OA ansprechen. Aber ich erwarte nicht, dass er sich hinsetzt und mit mir alles von A bis Z durchgeht.
    Geändert von escitalopram (06.06.2019 um 10:34 Uhr)



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  2. #7
    Platin Mitglied
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    Der klinische Teil ist leider überwiegend schlecht, zumindest kann ich das aus persönlicher Erfahrung bestätigen. Vieles steht und fällt mit den Dozenten und wenn die eben keinen Bock haben...ich habe irgendwann einfach aufgehört, zu allem hinzugehen, was keine Pflichtveranstaltung war. Stattdessen habe ich (ähnlich wie in der Vorklinik) sehr viel Zeit in der Bib verbracht, vor allem mit Amboss, aber auch mit Thieme-Sachen und ja, natürlich auch mit Altklausuren.

    Ich sage aber auch niemandem, dass das Studium in der Klinik besser wird. Ich sage meistens, dass der Lernaufwand etwas besser/entspannter wird, was der Wahrheit entspricht. Leider habe auch ich viel zu oft gehört wie viel besser die Klinik wird und wieviel besser dann das PJ wird. Naja, kann ich nicht unterschreiben und die meisten meiner Freunde auch nicht.

    Mein Tipp: Nimm das meiste aus den Famus mit, was geht. Mach Famus in Fächern, die dich interessieren und nicht unbedingt irgendein Fach, das dich nicht interessiert und wo du nur hingehst um z.B. "mal Innere" oder "mal was chirurgisches" gemacht zu haben. Dass ich dadurch eine Lösung für mich persönlich im Hintergrund habe/hatte war eine ziemliche Erleichterung nach dem PJ-Start.



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  3. #8
    Diamanten Mitglied
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    Die meisten Studenten, die über die Vorklinik jammern, jammern ja, dass das Studium zu anstrengend ist, dass sie zu wenig Patientenkontakt haben, usw. Da kann man dann IMHO durchaus guten Gewissens sagen, dass es nach dem Physikum deutlich besser wird - denn dann ist das Studium deutlich entspannter und man kann ein paar erste Einblicke in den Arztberuf bekommen.

    Allerdings hast du natürlich Recht, dass der vorklinische Studienabschnitt von den Lerninhalten her oft befriedigender ist, da man sich das meiste halt logisch herleiten kann, während man bei klinischen Fragestellungen oft nicht weiß, warum dies oder jenes so ist - es ist halt so, und das muss man auswendiglernen. Aber mich persönlich hat das nicht besonders gestört - ich hab ohnehin damit gerechnet, dass das Medizinstudium so wird wie der klinische Studienabschnitt. Ich fand eher die Vorklinik erstaunlich angenehm und erstaunlich verständnisorientiert, war also gewissermaßen eher positiv überrascht. Und mit fortschreitendem Studium wird man dann ohnehin meist etwas erschöpft und ist froh, wenn das Ganze endlich vorbei ist. Sechs Jahre sind halt doch ziemlich lang.

    Dass die Klausuren meist unsinniges Spezialwissen abfragen und massiver Selbstbetrug durch intensives Altfragen-Recycling stattfindet, ist korrekt. Aber Didaktik ist den meisten Ärzten halt egal. In Anatomie musste man wirklich verständnisorientiert lernen - da man mündlich geprüft wurde. Aber im klinischen Studienabschnitt waren auch die wenigen mündlichen Testate, die es gab, völlig lieblos - es herrscht bei den meisten klinischen Dozenten halt eine Atmosphäre der völligen Indifferenz. Hauptsache die Prüfung schnell rumbringen, völlig egal, ob der Student was weiß oder nicht. Wenn man wichtige Dinge lernen will, muss man halt die Top 100 Lernkarten gut lernen, intensiv mit Fallbüchern lernen, versuchen, in den Famulaturen möglichst viel mitzunehmen. Dadurch, dass das Medizinstudium an Kliniken der selbsternannten "Hochleistungsmedizin" stattfindet, drehen sich die meisten Vorlesungen halt auch um genau diese "Hochleistungsmedizin" - um seltene Erkrankungen, um seltene Therapiemöglichkeiten, um abgefahrene Untersuchungsmethoden. Der Alltag in der Klinik ist meist deutlich weniger spektakulär. Da sind meiner bisherigen, natürlich noch sehr beschränkten Erfahrung nach ganz banale Dinge viel wichtiger: zum Beispiel ob man sich die alten Arztbriefe organisiert hat, ob man sie auch gelesen und verstanden hat, ob man die körperliche Untersuchung gründlich durchgeführt hat, ob man die richtige Untersuchung angeordnet hat, ob die Pflege auch tatsächlich heute Blut für eine Laborkontrolle abgenommen hat, ob man rechtzeitig bemerkt, dass es einem Patienten schlechter geht, usw. Triviale Dinge sind wichtig, aber die lernt man im Studium nie.

    Dass die meisten Klinik-Dozenten kein Interesse an guter Lehre haben ist ebenfalls richtig. Die Lehre in den vorklinischen Fächern, und in den klinisch-theoretischen Fächern (wie z.B. Pathologie oder Mikrobiologie) war bei uns VIEL, viel besser als die Lehre in den großen klinischen Fächern. Wie man das realistisch ändern könnte, weiß ich nicht. Ist halt ein Problem der Klinikkultur.

    Mich hat das aber nicht besonders irritiert, da ich durch meine Bekannten, die direkt nach dem Abi Medizin studiert haben, ohnehin niedrige Erwartungen hatte. Die wurden dann im klinischen Studienabschnitt auch erfüllt - insofern keine Überraschungen. Die Vorklinik war erstaunlich gut, das war eher die Überraschung.

    Wenn alle so lehrten und so prüften wie unsere Anatomie- und Physiologie-Dozenten, würde unsere Uni deutlich bessere Ärzte hervorbringen.

    An den OP: Wahrscheinlich musst du dich gewissermaßen damit abfinden, dass es so ist, wie es ist, und versuchen, dennoch das Beste daraus zu machen. Versuch, möglichst viel mitzunehmen, versuch herauszufinden, in welchem Fach und in welchem Setting du mal gerne arbeiten würdest, usw. - wenn du das tust, wird dir der klinische Studienabschnitt trotzdem einiges bringen.



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  4. #9
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    Dass man im Medizinstudium viel auswendig lernen muss, sollte jedem von uns ja bereits vor Studienbeginn bekannt gewesen sein. Die Leute die hier immer wieder behaupten, man braucht viel Verständnis möchten meiner Meinung nach nur nicht zugeben, dass im Studium vor allem Fleiß gefordert wird.
    Man merkt doch schon in den ersten Vorlesungen, dass nur Faktenwissen durchgeklickt wird.
    Aber wenn man sich für Medizin interessiert, ist das Studium nun mal die beste Anlaufstelle, weil man wohl sonst kaum die Zeit hätte, sich so umfangreiches Wissen anzueignen.

    Würdet ihr jemanden, der sein Medizinstudium mit sehr gut abschließt, als Genie bezeichnen? Wohl eher nicht..
    Wenn dagegen jemand sein Mathematikstudium mit sehr gut abschließt, ist es in meinen Augen ein Genie.
    Geändert von clou9 (06.06.2019 um 16:02 Uhr)



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  5. #10
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    Zitat Zitat von RANT Beitrag anzeigen
    "Nach dem Physikum wird alles besser." hieß es in der Vorklinik. Jetzt bin ich in der Mitte des 2. klinischen Semesters und denke mir nur: "Wann genau danach?".

    Klar, in der Vorklinik musste man viel lernen, die Klausuren waren gerne mal schwer, aber der Lernprozess war um so viel befriedigender und eine gute Note häufig Ausdruck eines guten Verständnisses der wichtigsten Zusammenhänge: Einmal einen bestimmten Stoffwechselweg oder eine Organphysiologie durchdrungen und schon haben sich mehrere logische Folgerungen und Vernetzungen für andere Bereiche ergeben. Auswendiglernen ja, aber mit Mehrwert.

    Jetzt in der Klinik kann ich davon nichts erkennen:

    Die Inhalte
    "Das ist Krankheit/Erreger/Medikament XY, das sind einige völlig unzusammenhängende und größtenteils nicht logisch zu erschließende Fakten dazu. Bitte lernen.".
    Das geht in einem begrenzten Ausmaß, aber bei der Geschwindigkeit, in welcher die Themen durchgepeitscht werden, fragt man sich doch, wie man dieses Telefonbuch denn nun memorieren soll.
    Erster Gedanke: Das Wichtigste lernen. Was ist das Wichtigste? Kein Plan, da sich jedes klinische Fach zu schade ist, seine Lernziele transparent zugänglich zu machen - eine Praxis, die in der Vorklinik in fast jedem Fach Usus war.
    Beihilfe schaffen hier Altfragen, doch bei denen fällt man dann komplett vom Glauben ab: Das obskurste Spezialwissen ohne jede Relevanz in Form von Klausurfragen, dafür wenigstens alle Jahre wieder das Gleiche.
    Also alle Altklausuren durchackern, seine 1 abholen und effektiv nichts fürs weitere Studium oder die Famulatur gelernt haben (dafür aber auch nicht durchgefallen). Das Physikum ist bald ein Jahr her und ich habe in dieser Zeit nicht einmal ansatzweise den gleichen Umfang an neuem Wissen nachhaltig erworben, welcher bereits nach einem halben vorklinischen Semester im Kopf war und teils auch blieb. Ein Grund, der hier sicher mit reinspielt: Die zeitliche Gewichtung der Fächer. Die Termine pro Untersuchungskurs lassen sich an einer Hand abzählen (manchmal auch an einem Finger... ganz toller Lerneffekt), aber Hauptsache, man hat gerne mal doppelt so viele Seminare zur Medizingeschichte.

    Die Lehre
    Der größte Schock am klinischen Studienabschnitt. Die Dozenten geben einen kompletten Scheiß auf alles. Folien werden nicht vor der Veranstaltung hochgeladen und im Regelfall auch danach nicht. Vorlesungsaufzeichnungen gibt es grundsätzlich nicht. Zu Praktika und Seminaren kommen die Herren und Frauen Kliniker immer zu spät und gestalten die Veranstaltung so, dass sie möglichst wenig davon tatsächlich lehren müssen; in Form des Untersuchungskurses heißt dies beispielsweise: "Geht zum Patienten, wir treffen uns in 30 Minuten wieder. Ich muss noch paar Briefe schreiben." - jedes Mal.

    Was soll eigentlich dieser Scheiß? Ich lerne absolut nichts außerhalb von Famulaturen, die Uni ist reine Zeitverschwendung und dank der Klausurumstellung kann ich mir nicht mal gemütlich in guten Lehrbüchern das Wissen aneignen, da plötzlich ein ganz neuer Schriftgröße-8-Fakt auf Folie 238 klausurrelevant ist und ich meine Zeit tippend in Vorlesungen verbringen darf, da deren Folien netterweise nicht hochgeladen werden. Das Physikum war besser als dieser Mist.
    Du sprichst mir echt aus der Seele. Genauso empfinde ich es momentan auch!



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