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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #6
    Flacharzt
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    Ich bin in der Patho mit 8 to 5 im Moment recht zufrieden. Dank Fachkräftemangel stehen einem bei entsprechender Eignung und Mobilität zur Zeit alle Wege offen. KI wird die Arbeit sicher verändern/vereinfachen, uns aber so schnell nicht ersetzen, dafür ist das Gebiet zu komplex und irgendeiner muss für die Richtigkeit der Befunde gerade stehen.



  2. #7
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    In der Strahlenphysik wird auch jeder Plan, der komplett Computer generiert ist, nochmal vom MPE + FA abgesegnet. Ich denke nicht, dass man sich wirklich Sorgen machen muss, dass man in den nächsten Jahren seinen Job verliert. Erst recht nicht, wenn man sich die Geschwindigkeit der Rechtssprechung ansieht. Am Ende muss auch irgendjemand die Eier haben dafür einzustehen, wenn man die Kontrollinstanz Mensch abschafft und davon sind wir einfach noch zu weit entfernt.

    Selbst wenn die Systeme ausreifen, werden sie daher wohl primär unterstützend eingesetzt werden. Die Fachgebiete entwickeln sich ja auch weiter.
    "This sentence contains ten words, eighteen syllables, and sixty-four letters."
    - Wolfram|Alpha



  3. #8
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    Zitat Zitat von Schubbe Beitrag anzeigen
    In der Strahlenphysik wird auch jeder Plan, der komplett Computer generiert ist, nochmal vom MPE + FA abgesegnet. Ich denke nicht, dass man sich wirklich Sorgen machen muss, dass man in den nächsten Jahren seinen Job verliert. Erst recht nicht, wenn man sich die Geschwindigkeit der Rechtssprechung ansieht. Am Ende muss auch irgendjemand die Eier haben dafür einzustehen, wenn man die Kontrollinstanz Mensch abschafft und davon sind wir einfach noch zu weit entfernt.

    Selbst wenn die Systeme ausreifen, werden sie daher wohl primär unterstützend eingesetzt werden. Die Fachgebiete entwickeln sich ja auch weiter.
    Abgesegnet sicherlich schon noch eine zeitlang. Aber eben nur noch das. Dann braucht man natürlich mittelfristig weiterhin Menschen, die die Befunde verstehen und gegenchecken können. Aber eben wesentlich weniger als bisher. Ich könnte mir mittelfristig einen Wegfall von etwa 2/3 der Stellen in Bereichen wie Patho und diagnostischer Radio vorstellen.
    Irgendwann kommt dann die Zeit, in der ein Mensch gar nicht mehr in der Lage sein wird, die Befunde überhaupt nachzuvollziehen, denn wenn man die Algorithmen mit Daten zum weiteren Krankheitsverlauf füttert, werden die irgendwann in der Lage sein, histologische und radiologische Befunde anhand von Kriterien zu analysieren, die für den Menschen in dieser Form gar nicht wahrnehmbar sind.



  4. #9
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    Zitat Zitat von GelbeKlamotten Beitrag anzeigen
    Ich könnte mir mittelfristig einen Wegfall von etwa 2/3 der Stellen in Bereichen wie Patho und diagnostischer Radio vorstellen. .
    Bereits vor 15 Jahren hatte ich Angst, dass in patientenfernen Fächer wie Radiologie (an Patho dachte ich damals weniger) und Labormedizin Ärzte durch Maschinen und KI ersetzt werden oder die Untersuchungen in Länder mit niedrigeren Löhnen outgesourct werden. War für mich ein wesentlicher Grund bei der Entscheidung gegen Radiologie. [edit: Hier stand erst "für Radiologie" statt "gegen Radiologie" - habe mich verschrieben] Ich hörte damals, dass die Amis ihre diagnostischen Radiologie-Bilder zum Teil bereits in Asien befunden lassen. Jetzt, 15 Jahre später, hat sich daraus noch keine ernsthafte Bedrohung ergeben. Zwar kann sich auch in 10 Jahren eine Menge ändern. Aber meine Angst vor so etwas wäre jedenfalls heute geringer als sie vor 15 Jahren war. Vielleicht fallen Tätigkeiten weg, aber es werden sich auch neue Perspektiven ergeben.

    Ich habe hier im Forum schon jeder Menge Leute vom Medizin-Studium abgeraten, insbesondere solchen, die schon ein anderes Studium erfolgreich absolviert hatten, in ihrem Feld etabliert waren, aber mit Anfang 30 eine Sinnkrise bekamen und lieber "Menschen helfen", "was Sinnvolles machen" usw. wollten, sich jedenfalls fürs Medizin-Studium begeisterten, weil sie ausdrücklich in die Patienten versorgende Medizin wollten. Solchen Leuten rate ich regelmäßig ab, weil die Entscheidung für sie im allgemeinen erhebliche finanzielle Einbußen bedeutet, von denen sehr unsicher ist, ob sie sie jemals wieder aufholen, und weil ich der Meinung bin, dass praktisch jeder den Stress, den es bedeutet, in der Zeit, in der andere Familienplanung zu machen (30er-Jahre), sich in ein Medizin-Studium reinzuknien und dann mit Ende 30 in eine Facharzt-Ausbildung einschließlich (viel zu vielen) Nachtdiensten zu gehen unterschätzen. Zudem unterschätzen viele, die in anderen Berufen etabliert sind, die Zwänge, die die Patientenversorgung mit sich bringt, das dauernde Einspringen, generell die 24/7-Versorgung, Kampf um Weiterbildung etc. pp. Viele Menschen egal welchen Alters unterschätzen meiner Meinung nach das mindestens, wenn es gut läuft, 11jährige Dem-System-Ausgeliefert-Sein (Studium + Facharztausbildung) und was sich in diesen 11 Jahre im persönlichen Leben so tun kann. Wenn man auf die 40 zugeht, wollen viele doch gern ein wenig kürzer treten, und diese Kandidaten stellen sich regelmäßig vor, mit 40 erst richtig Vollgas zu geben (in der Facharzt-Ausbildung).

    Bei dir, OP, sehe ich die Situation etwas günstiger, weil du durch ein Medizin-Studium weniger zu verlieren hast als jemand der z.B. als Physiker(in) oder Ingenieur(in) oder Apotheker(in) arbeitet. Vor allem redest du gar nicht erst davon, in die patientenversorgende Medizin zu wollen, sondern suchst realistisch nach außerklinischen Möglichkeiten. Aus meiner Sicht ein erheblicher Unterschied. Da kann man sich höchstens fragen, ob man nicht auf anderen Wegen, also z.B. durch ein anderes Studium oder durch Karriere innerhalb des bisherigen Berufs ebenfalls eine Stellung erreichen kann, die einem mehr Gestaltungsmöglichkeiten, mehr Gehalt und einen "interessanteren Job" gibt. So verstehe ich deine Wünsche.

    Das ist die Frage, die du dir meiner Meinung nach stellen solltest, OP, und für die du dich auch anderweitig erkundigen solltest: Gibt es andere Möglichkeiten, dein Berufsleben in eine dir genehmere Richtung zu lenken, als ein Medizin-Studium?

    Eine Sache solltest du außerdem bedenken:
    Zitat Zitat von lab_doc
    Mix aus eintöniger Tätigkeit, teilweise stressige Situationen, auch "faule" Kollegen, lautes Arbeitsumfeld
    sind alles keine Probleme, die ein Medizin-Studium endgültig lösen wird. Auch ein patientenferner Arztberuf hat seine Herausforderungen, viel Routine, teilweise Druck oder Stress, irgendwelche Dinge, die einem an den Kollegen oder dem Arbeitsumfeld nicht passen. Das ist auch alles immer etwas subjektiv. Von "faulen Kollegen" wird dir jeder Arzt, egal wo er arbeitet, ebenfalls ein Liedchen singen können.

    Es gibt eine Reihe von patientenfernen Arbeitsmöglichkeiten für Ärzte. Angesichts der Rentenwelle in den nächsten 10 Jahren wird wahrscheinlich in jedem Bereich, in dem man gut ausgebildete Mitarbeiter braucht, ein Mangel existieren, so dass ich persönlich das Risiko, nach einem Medizin-Studium mit ganz leeren Händen dazustehen, gering finde. Kann sein, dass irgendwelche Bereiche reduziert / abgeschafft werden, aber es kann sein, dass sich dadurch auch neue Möglichkeiten ergeben.

    Ein gewisses Risiko sehe ich darin, dass das Medizinstudium für dich eine anstrengendere Zeit wird als du im Moment denkst. Wieder neu lernen, insbesondere das ganze "Telefonbuch-Lernen". Ein Studium jetzt zu beginnen, bedeutet, in den nächsten Jahren erhebliche Einbußen in deinem Privatleben, Sozialleben, Hobbies etc. auf dich zu nehmen. Das kann auch langfristige Folgen haben, wenn z.B. Freundschaften oder Beziehungen deshalb wegbrechen, weil man nicht genug Zeit oder nicht den Kopf frei dafür hat, sich darum zu kümmern. Du wirst dich neben dem Studium ja auch noch durch Arbeit finanzieren müssen. Ich persönlich fand das Medizin-Studium ganz schön anstrengend. Allerdings würdest du das wahrscheinlich ziemlich schnell merken, ob du entsprechende Strategien entwickeln kannst oder nicht. Wenn du die Vorklinik überstanden hast, wirst du den klinischen Teil auch irgendwie hinkriegen, selbst wenn du keinen Bock auf Patientenkontakt hast. Ob du, wenn du das Studium erfolgreich abgeschlossen hast, dann der Meinung bist, dass der ganze Aufwand, die Entbehrungen auch auf privater Ebene sich gelohnt haben, kann man vorher nicht wissen. Dass du nach abgeschlossenem Studium *arbeitslos* wirst bzw. keine Stelle ausserhalb der direkten Patientenversorgung findest, glaube ich jedoch nicht. Notfalls halt Transfusionsmedizin, Arbeitsmedizin, was weiß ich.

    Das eigentliche Risiko scheint mir also in deinem Fall zu sein, ob du den nötigen Biss und die nötige Disziplin fürs Medizin-Studium und die damit zusammenhängenden privaten Entbehrungen aufbringst und da gut durch kommst. Wenn du das schaffst, wirst du schon was finden, in dem du wenigstens nicht unglücklicher bist als in deinem jetzigen Job, aber besser bezahlt wirst. Für unrealistisch halte ich immer nur die Leute, die mit 30 in ihrem 38,5h-Bürojob unzufrieden sind und überzeugt sind, dass sie mit 40 noch alleine eine Station aus 30 Patienten betreuen und 5 bis 8 Nachtdienste im Monat machen wollen, weil der Arztberuf in sich ja so eine unglaublich sinnstiftende Tätigkeit sei. Da bin ich oft der Meinung, dass sie durchs Medizin-Studium mehr Risiko als Chance eingehen und besser versuchen sollten, bei ihrem Stamm-Job eine Veränderung des Arbeitsplatzes / Arbeitsumfelds herbeizuführen oder Stunden zu reduzieren und vielleicht irgendwas anderes "Sinnstiftendes" nebenher zu machen.

    Falls alle Stricke reißen: Da du dein Medizin-Studium irgendwie finanzieren mußt und somit wahrscheinlich in Teilzeit in deinem bisherigen Beruf weiterarbeiten würdest, würdest du auch dort nicht ganz den Kontakt verlieren und könntest irgendwie dahin zurück.

    Alles natürlich nur meine Meinung aus eigener Lebenserfahrung. Hoffe, damit weitergeholfen zu haben.
    Geändert von Pflaume (01.09.2019 um 16:26 Uhr)



  5. #10
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    Zitat Zitat von Pflaume Beitrag anzeigen
    Ich hörte damals, dass die Amis ihre diagnostischen Radiologie-Bilder zum Teil bereits in Asien befunden lassen. Jetzt, 15 Jahre später, hat sich daraus noch keine ernsthafte Bedrohung ergeben. Zwar kann sich auch in 10 Jahren eine Menge ändern. Aber meine Angst vor so etwas wäre jedenfalls heute geringer als sie vor 15 Jahren war. Vielleicht fallen Tätigkeiten weg, aber es werden sich auch neue Perspektiven ergeben.

    Die Voraussetzungen haben sich hier im Vergleich zu vor 15 Jahren wesentlich verändert. Die damalige Technik war schlicht nicht in der Lage, so gut wie ein Mensch zu befunden. Heute können viele Dinge von Algorithmen bereits erwiesenermaßen besser befundet werden als von Radiologen. Das sind längst nicht nur pneumonien in Röntgenbildern, sondern auch komplexere Sachen wie schwierige CT-Befunde. Das gleiche gilt für die Patho. Die Frage ist heute mehr eine rechtliche als eine technische. Sprich: Es bedarf im Wesentlichen noch der Klärung einiger rechtlicher Fragen und ggf. einiger Gesetzesanpassungen, bevor die automatisierte Befundung großen Einzug in den Alltag erhalten kann. Natürlich können sich neue Perspektiven ergeben, die dann aber eher in den interventionellen Bereich fallen werden und weniger in den komplett patientenfernen.



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