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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #1
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    Hey Leute,
    Aller Anfang ist schwer aber wie schwer ist schwer genug?
    Ich arbeite seit knapp 6 Wochen in der Psychiatrie - Sucht und kenne das Haus schon aus dem PJ. Da war alles top. Die Leute waren zufrieden mit mir und ich hatte Spaß. Jetzt arbeite ich und es ist alles anders. Und ich bin am zweifeln. Und habe so einige emotionale Baustellen.

    1. Sucht - körperlich kranke Patienten
    Ich habe in der Sucht angefangen, da ich das Fach wichtig finde und Erfahrungen sammeln wollte. Ich sehe mich tatsächlich aber mehr als Allgemeinpsychiaterin. Nun bin ich jedoch etwas überfordert mit Suchterkrankungen und frage mich, ob es richtig war zuerst da anzufangen. Die Patienten sind körperlich teilweise echt krank. Hepatische Enzephalopatie, Krampfanfälle, RR Entgleisung, ... Innere und „medizinische Notfälle“ liegen mir nicht. Ich habe echt Schiss, dass ich die somatischen Sachen nicht händeln kann. Auch wenn wir niedrigschwellig in ein somatisches Haus verlegen.

    2. Hohe Erwartungen und Selbstzweifel
    Ich habe im PJ einen guten Eindruck gemacht. Und habe das Gefühl, dass KoleggInnen und meine OÄ hohe Erwartungen an mich haben oder hatten. Das bekomme ich nämlich gespiegelt. Ich komme aber doch nicht so gut zurecht, wie ich es mir erhofft hatte. Habe große Lücken, was internistische Erkrankungen angeht. Und ich habe jeden Tag das Gefühl, dass ich die Leute enttäusche. Ich vergesse ständig was und habe Konzentrationsprobleme. Ich bin noch völlig unsortiert. Wie weit muss man nach 6 Wochen sein? Ich habe das Gefühl ich hinke völlig hinterher.

    3. Psychische Belastung
    Seitdem ich arbeite, habe ich starke depressive Symptome. Ich bin zurückgezogen, gereizt, weine manchmal nach der Arbeit. Wenn’s ganz schlimm ist habe ich sogar passive Todeswünsche oder sogar etwas mehr. Ich tänzel jeden Tag zwischen Ärztin und „Patientin“ sein.

    4. Die Alternative
    Ich frage mich oft, ob es in der Allgemeinpsychiatrie besser wäre. Oder KJP oder Psychosomatik? In der KJP habe ich 1,5 Jahre mal gejobbt im Studium. Man hat gar nichts mit somatischen zu tun und ich finde die ganze psychosoziale Arbeit ganz spannend. Oder ich verlasse den medizinischen Bereich ganz. In meinem Studium habe ich auch immer sehr gehadert mit Medizin, denn ich habe noch viele andere Interessen. Ich würde sagen, dass ich recht talentiert im Bereich Illustration bin und auch gerne journalistisch arbeite. In meiner Freizeit hatte und habe ich auch immer diverse Projekte am laufen. Aber ich komme aus einer Arbeiterfamilie mit Migrationshintergrund, bin mit wenig Geld aufgewachsen und hatte immer den Druck, einen Job mit Sicherheit zu finden. Eventuell muss ich meine Eltern im Alter versorgen.

    Gerade erscheint mir meine Situation sehr ausweglos und ich habe Angst, im Leben die falschen Entscheidungen getroffen zu haben mit Medizin. Vielleicht gibt es einige Leute hier, die einige Aspekte nachvollziehen können oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben?



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  2. #2
    Diamanten Mitglied
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    Nach sechs Wochen ist es völlig normal, noch unsortiert zu sein. Es braucht IMHO mindestens drei Monate, bis man mal eine erste Sicherheit in Routineangelegenheiten hat. Bei dir kommt noch hinzu, dass du, wegen der Dreifachbelastung neue Ärztin plus hohe (Selbst-)Erwartungen plus somatisch schwer kranke Patienten ohne somatische Berufserfahrung, unter noch viel mehr Druck stehst als wenn der Mangel an Berufserfahrung deine einzige Baustelle wäre.

    Durch den großen finanziellen und sozialen Druck, den du außerdem auch noch wahrnimmst, kommt dir das vielleicht manchmal ausweglos vor. Aber wie du selbst geschrieben hast, gibt es ja sehr viele Alternativen. Ein "normaler" Start in die Psychiatrie auf einer Akutstation zum Beispiel. Oder eben die Psychosomatik oder die KJP. In der Psychiatrie gibt es sehr viele Stellen, und Wechsel sind kein Problem.

    Aber vielleicht ist ein Wechsel auch gar nicht notwendig.

    Bei wem hast du die größten Sorgen, seine Erwartungen nicht zu erfüllen? Bei den Patienten? Bei den anderen Assistenzärzten? Bei den Oberärzten? Bei deiner Familie? Bei dir selbst?

    Hast du schon mal mit deinen Kollegen offen über die Angst, die deiner Ansicht nach hohen Erwartungen nicht erfüllen zu können, gesprochen? Vielleicht würde sich in einem Gespräch herausstellen, dass ihre Erwartungen gar nicht so überzogen sind, oder dass sie in Wahrheit der Ansicht sind, dass du deinen Job gut machst. Du könntest auch einfach mal mit den anderen Assistenzärzten über deine Skepsis bzgl. der somatischen Aspekte sprechen, und so konkrete Wege identifizieren, wie du dich in gängige somatische Probleme besser einlesen und einarbeiten könntest.



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  3. #3
    The Dark Enemy Avatar von morgoth
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    Sucht ist keine ideale Wahl für einen psychiatrischen Anfänger.
    Wie du richtig beschreibst, sind viele Patienten richtig körperlich krank; Therapieentscheidungen bspw. welcher medikamentöser Entzug bei Polytoxikomanie und/oder Leberzirrhose in Frage kommt, sind nicht leicht.
    Dass die Verlegungen wirklich „niederschwellig“ erfolgen, beweifele ich, aber vielleicht habe ich auch zu sehr die andere Richtung verinnerlicht („Hier ist die Intensiv, euer Patient ist nicht führbar, der muss zurück auf die P“).
    Zudem sind Patienten mit einer primären Suchterkrankung auch häufig schwierige Fälle was Compliance, Absprachefähigkeit, Therapiemotivation, Ehrlichkeit o.ä. angeht; da sind mittelgradige affektive oder Angststörungen deutlich einfacher auch was das eigentlich Therapeutische angeht.
    Was hast du denn an unterstützenden Faktoren? Finden regelmäßige Weiterbildungsbausteine statt: Balint, Supervision? (In deinem Stadium ist es zweitrangig, wie man es nennt; wichtig ist halt das Hinsetzen und Besprechen). Hast du Austausch mit Stationskollegen/Pflegekräften/Psychologen ...? Kommt der Oberarzt proforma oder trinkt er Kaffee mit dir?
    Zu Punkt 3 solltest du dir auch Gedanken machen. Tote verdienen kein Geld!



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  4. #4
    Registrierter Benutzer
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    10.04.2018
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    Lieben Dank für die Antwort!
    Ich habe glaube ich primär Angst, meine eigenen Erwartungen nicht zu erfüllen. An zweiter Stelle habe ich Angst, meine OÄ zu enttäuschen, da man im PJ viel gutes von mir berichtet hat und man davon ausging, dass ich "fit" sei. Das baut einfach total den großen Druck auf. Ich merke einfach, wie krass meine Lücken was "somatische Medizin" angeht sind. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ich in meinen Diensten auch die gerontopsychiatrische Station hausärztlich betreuen muss. Davor habe ich schon richtig Schiss. Außerdem merke ich, dass das PP mir nicht allzusehr vertraut oder ernst nimmt, da ich so frisch, unerfahren, nicht durchsetzungsfähig und unwissend bin.

    Ich habe meine Ängste bei meinen StationskollegInnen artikuliert und alle denken, "dass es schon wird" und ich in meiner Freizeit nicht Innere pauken müsste. Das nimmt mir aber auch nicht die Angst. Ich hab auch mal den Mut zusammengenommen und der Kollegin, die die Dienstpläne schreibt von meinen Unsicherheiten erzählt. Für meinen ersten Suchtklinik-Dienst wurde dann eine nette und mir bekannte Kollegin parallel zum Allgemeinpsychiatrischen Dienst geplant, sodass ich nicht "alleine" bin. Insgesamt sind alle nett bisher, ich stehe mir halt extrem im Weg und denke, dass ich nicht geeignet bin für den Job. All meine Bedenken lassen mich derzeit an meiner Berufswahl zweifeln.



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  5. #5
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    Zitat Zitat von morgoth Beitrag anzeigen
    Was hast du denn an unterstützenden Faktoren? Finden regelmäßige Weiterbildungsbausteine statt: Balint, Supervision? (In deinem Stadium ist es zweitrangig, wie man es nennt; wichtig ist halt das Hinsetzen und Besprechen). Hast du Austausch mit Stationskollegen/Pflegekräften/Psychologen ...? Kommt der Oberarzt proforma oder trinkt er Kaffee mit dir?
    Zu Punkt 3 solltest du dir auch Gedanken machen. Tote verdienen kein Geld!
    Derzeit pausieren alle Weiterbildungsmöglichkeiten aufgrund der Covid-pandemie, aber langsam rollen die Balintgruppen wieder an. Ich spreche mit meinen StationskollegInnen und meine OÄ ist jeden Tag präsent auf Station und ich kann sie alles fragen und bei jeden Kram anrufen. Aber ich muss wirklich bei jedem Kram anrufen, bei dem ich mir unsicher bin. Wie du schon richtig konstantiert hast: Medikamentöse Einstellung in der Sucht ist extrem schwierig. Wenn ich Patienten habe, die Opiat- oder Benzoabhängig sind, habe ich ehrlich gesagt absolut keine Ahnung, wie ich sie eindosiere. Ich habe das Gefühl ich weiß so gar nichts, ich schäme mich total, dass ich so viel nachfragen muss.



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