Prüfung September 2019 in Hannover.
Prüfer waren zwei Anästhesisten: LOA aus Ostercappeln und LOA aus Braunschweig, beide sehr nett. Lockere Atmosphäre.

1. Fall: adipöser Patient mit Luftnot, keine thorakalen Schmerzen. Was tun Sie? --> Monitoring anbauen lassen, Zugang legen. Gleichzeitig kurze Untersuchung (Auskultation) --> feuchte RG. Anamnese erheben (keine pulmonalen VE, aber IDDM). EKG: lieber 5-Kanal oder direkt 12-Kanal? Direkt 12-Kanal. Da zauberte er einen Bilderbuch-STEMI hervor (ich hatte schon ein bisschen Sorge vor irgendwelchen abgefahrenen EKGs, die man als Anästhesist halt nicht alle Tage sieht). Wieso hat der Patient keine thorakalen Schmerzen angegeben? Diabetiker. Dann Therapie, also ASS+Heparin sowie symptomatische Therapie (Morphin und Lasix für Luftnot; jeweils mit Wirkmechanismus), ggf. NIV.
An welchem KH melde ich das Ganze wie an? (KH mit ständiger Katheterbereitschaft, als STEMI anmelden, auch noch anrufen). Was bereitet man vor? Ich hab gesagt Defipaddles aufkleben, ggf. bei längerer Anfahrt Adrenalin vorbereiten. War ok so.
Gedankenexperiment: wenn Sie jetzt irgendwo ganz weit ab vom Schuss fahren und kein Herzkatheter in der Nähe ist - was haben Sie noch für Möglichkeiten? Wollte auf Lyse hinaus, was wir auf dem Auto haben, wie man das dosiert und was es für Kontraindikationen gibt.
--> Total netter und mehr als fairer Fall, ich hatte echt Schiss vor dem nächsten Fall, weil ich dachte, dass noch irgendwas fieses kommen muss.

2. Fall: Reanimation an nem Kiosk, älterer Mann, offensichtlich dem Alkohol nicht abgeneigt. Seine Kumpel stehen um ihn herum und reanimieren. Was machen Sie? (Übernehmen, ich an den Kopf, der Rest verteilt sich fürs Drücken, Monitoring inkl. Defi und Zugang). Während man auf 1. Rhythmusanalyse wartet, Anamnese erfragen: hat sich an die Brust gefasst, ist dann umgefallen, sofortige Laienreanimation begonnen.
Erster Rhythmus Kammerflimmern, dementsprechend Defibrillation. Ich hab dann erzählt, dass ich während der HDM intubieren würde (direkt mit Videolaryngoskop) um die Hands-off-Zeit zu minimieren. Was ich vom CO2 erwarten würde? (abhängig von der Qualität der HDM; ggf. sprunghafter CO2-Anstieg bei ROSC, dann würde ich, falls es an der Reihe wäre, auf die nächste Adrenalingabe verzichten). Kein iv Zugang zu etablieren --> i.o., hab beschrieben wo ich punktieren würde.
3x defibrilliert, was jetzt? Adrenalin und Amiodaron und Weiterdrücken. Nächste Rhythmusanalyse: einzelne Kammerkomplexe --> Puls war auf Nachfrage palpabel, dementsprechend hatten wir ein ROSC. Also Transport vorbereiten lassen, RR messen (war gut) und EKG schreiben (uneindeutig). Auf was für eine Genese ich tippen würde? (am häufigsten Kardial, keine anderen Risikofaktoren bekannt, deshalb auf Verdacht ASS+Heparin.) Transport wie? (SoSi mit telefon. Vorankündigung (solche Patienten gehen bei uns übers "Cardiac Arrest Center" mit passendem Alarm). Der Patient will sich extubieren - zulassen? (Nein, vorsichtig sedieren mit Midazolam und Fentanyl).

Zusatzfragen: Aufgaben eines LNA; wer gehört zur Einsatzleitung (LNA, OrgL, Feuerwehr, Polizei); Wie erkennt man den Einsatzleiter der Feuerwehr (ich hab gesagt Weste, der Prüfer wollte "Helm mit zwei umlaufenden roten Streifen" hören, was laut unserer Berufsfeuerwehr zwar falsch ist, aber nun gut).


Alles in allem total faire Prüfung, ich hab deutlich schlimmeres erwartet. Die Zeit ist flott vergangen und ich wurde innerhalb kürzester Zeit wieder reingerufen zur Abholung der Urkunde.