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Aktive Benutzer in diesem Thema

  1. #1
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    Hallo ihr Lieben! Vielleicht hat ja der ein oder andere radiologisch Versierte Lust, mir ein paar Tipps zu geben.

    Ich bin gerade für eine Studie verantwortlich, bei der wir u.a. auch MRTs vom Kopf machen (ohne Kontrastmittel). Die MRTs führen wir an unserer psychologischen Fakultät durch, die zwar ein eigenes Gerät, aber keinen dazugehörigen Radiologen hat. Es gibt nur eine MTRA, die das MRT bedient. Deshalb muss ich als Anästhesistin entscheiden, ob jemand MRT-fähig ist oder nicht.

    Die Psychologen handhaben das bei ihren eigenen Studien sehr restriktiv: wer irgendetwas Metallisches im Körper hat, kann nicht mitmachen. Bei den Kontrollen würde ich das der Einfachheit halber genauso handhaben. Für die Patientengruppe ist es aber sehr schwierig, Teilnehmer zu finden, sodass ich da gerne differenzierter vorgehen würde. Ich möchte natürlich niemanden einschließen, bei dem harte Kontraindikationen à la Herzschrittmacher und Co vorliegen. Ich denke eher an Patienten mit innerhalb der letzten 10 Jahre eingebauter Knie-TEP, Schmerzpumpe, Zahnimplantaten etc. Dazu habe ich im Internet bis jetzt vor allem Aussagen in die Richtung "Es dürfte beim MRT in der Regel nichts passieren, sodass der diagnostische Nutzen klar das Risiko übersteigt" gelesen. Meine Studienteilnehmer haben allerdings keinerlei diagnostischen Nutzen durch das MRT. Habt ihr Tipps, wie ich mich rechtlich auf der sicheren Seite bewegen und trotzdem irgendwie meine Probanden-Zahlen vollbekommen kann?

    Wie ist es z.B., wenn jemand schon mehrere MRTs hatte? Kann ich dann davon ausgehen, dass auch bei mir nichts heiß werden oder sich bewegen wird, oder macht es z.B. einen Unterschied, wenn vorherige MRTs mit 1,5 Tesla und das aktuelle mit 3 Tesla gefahren wird?

    Und was ist z.B. mit Zahnimplantaten? Darf ich davon ausgehen, dass die höchsten Artefakte machen, aber sonst kein Problem darstellen? Oder sollte ich auch da die Hersteller kontaktieren?

    Uiuiui, ist ganz viel Text geworden... Ich bin für jede Hilfe dankbar!



  2. #2
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    Wenn ich Zeit habe Schreibe ich direine ausführliche Antwort.
    Wichtige Frage vorneweg: Wieviel Tesla? Welche Region wird untesucht? Lokale Sende/Empfangsspule oder reine Empfangsspule?



  3. #3
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    Vielen Dank schon einmal! Das Gerät hat 3 Tesla und wir wollen VBM-basiert zerebrale Veränderungen untersuchen. Falls die Sequenzen wichtig sind: T1, Flair, resting state und DTI, Gesamtdauer ca. 20 Minuten.

    Das mit der Spule finde ich noch heraus.



  4. #4
    Dunkelkammerforscher
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    Empfangsspule, alles andere macht da keinen Sinn. Flair 3D (IR-Space o.ä.) oder 2D Sequenz?



  5. #5
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    So, mit richtigem PC und Tastatur ist das ganze einfacher als über die Mobile Version des Forums.

    Erstmal grundsätzliches vorneweg: Wenn du verantwortlicher Projektleiter bist haftest du persönlich für deine Entscheidung falls etwas passiert. Du solltest sicher stellen was in eurem Ethikantrag steht. Wenn dort Patienten/Probanden mit Metallimplantaten grundsätzlich ausgeschlossen sind, darfst du sie nicht reinlegen. Steht da ein Satz drin wie z.B. "bei Metallimplante wird individuell das Risiko des Probanden durch den Projektleiter bestimmt und dann entschieden ob eine Studienteilnahme gefahrlos möglich ist" kannst du nach Risikoabwägung natürlich auch Patienten mit Implantaten oder anderem Metall rein legen. Alle meine Ausführen mache ich nach bestem Wissen und Gewissen, das ist aber keine Garantie das nichts passiert in deinem lokalen Setting welches ich nicht kenne und dafür natürlich auch keine Haftung übernehme.

    Grundsätzlich ist ein vorheriges MRT ein guter Indikator aber keine Garantie das nichts passiert. Je nach Lage im MRT, Sequenz, etc. kann es eben auch mal anders sein.

    Prinzipiell gibt es zwei Gefahren. Die erste geht von magnetischem Metall aus welches sich bewegen kann sobald du dem Gerät zu nahe kommst. Dies ist unabhängig von der Messung. Titan ist hier kein Problem, Chirurgenstahl kann ein Problem sein. Wenn du eine fest im Knochen verankterte Schraube hast reicht die Kraft nicht aus damit diese sich bewegt. Auch TEPs, etc. sollten fest implantiert sein. Definitiv ein Problem sind Metallsplitter von Kriegsverletzungen, Schweißperlen (z.B. in Augennähe) aber auch alte OP Clips in gefährlichen Regionen wie Herz/Gehirn. Bei OP Clips z.B. nach Abdominal-OPs sagt man in der Routine das Risiko ist so gering, dass der Nutzen immer überwiegt. In deinem Fall ist diese Argumentation natürlich schwierig. Nach mehreren Jahren sind Clips aber häufig entweder sowieso schon disloziert oder fest durch Narbengewebe "eingewachsen".

    Das zweite Risiko ist eine Erwärmung von Metall durch die eingestrahlte HF. Hier kommt es auf die Sequenz, die Teslazahl (umso höher umso kleiner kann das Metall sein das etwas passiert), auf die Form (ganz schlecht spiralförmige Drähte) und die Lage im Feld an. Unsere MR Physik sagt, dass das Risiko auf das maximale FoV + 20cm beschränkt ist. Das bedeutete, das Hüfte und Knie für eine Kopfuntersuchung eigentlich weit genug weg ist. Eine Schulter-TEP würde ich für eine Studie aber nie rein legen auch bei wahrscheinlich im Promillbereich liegendem Risiko. Ich habe einmal bei einer diagnostischen Untersuchung eine Erhitzung einer IS-Schraube im Becken (MR Knie) erlebt. Da hat der Patient nach wenigen Sekunden (!) massive Schmerzen und hat sich entsprechend lautstark bemerkbar gemacht. Soetwas bei einer Forschungsuntersuchung kann dich deinen Kopf kosten.

    Eine gute Anlaufstelle ist www.mrisafety.com bei der es eine Liste gibt in der viele Implanate zu finden sind. Wenn ein Hersteller sein Produkt als MR Safe kennzeichnet darfst du davon ausgehen das es geht. bei MR Conditional muss genau geprüft werden unter welchen Bedingungen es als sicher bezeichnet wird.

    Zahnimplantate stellen bei uns grundsätzlich keine Kontraindikation dar und dürfen bei uns auch ins Ultrahochfeld-MR. Das gleiche gilt für Retainer (kurze Drähte <4 cm). Zahnspangen sind eine absolute Kontraindikation die können glühen wenn du Pech hast. Entfernbare Zahnimplantate werden natürlich vor der Untersuchung bei uns entfernt.

    Tattoos: Ich kenne drei Fälle persönlich bei denen es zu einer lokalen Erwärmung durch am ehesten metallhaltigen Farben kam. Dabei war es immer eine leichte Rötung vergleichbar mit Sonnenbrand. Tattoos im Kopf/Halsbereich würde ich deshalb nicht für Forschungsmessungen zu lassen.

    Gibt es bei euch eine MR Physik die dir ggf. als Anlaufstelle zur Verfügung steht? Wer befundet eure Bilder auf Zufallsbefunde? Wenn ihr eine FLAIR dabei habt könnten ja tatsächlich auch akut behandelbare Zufallsbefunde auftreten? Ich bin deswegen überhaupt kein Freund von Untersuchungen an Radiologen vorbei.... auch hier kenne ich dramatische Fehlentscheidungen bei ähnlichen Settings. Ich hatte selbst schon einen Probanden mit akuter Blutung (Kopfschmerzen seit dem Vortag) der dann direkt auf Intensiv gegangen ist.

    Im Zweifel entscheide dich immer gegen eine Untersuchung, mach aber bitte Patienten nicht verrückt in denen du ihnen von einen großen Risiko erzählst. Das Risiko ist extrem gering, darf aber eben bei Forschungsmessungen wenn Zweifel besteht nicht eingegangen werden.



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