Große Dankbarkeit
Körperspenden für den Anatomie-Präpkurs
Nina Dalitz (MEDI-LEARN)
„Sie ermöglichen die praxisnahe Ausbildung im Fach Anatomie für zukünftige Ärztinnen und Ärzte. Ebenso helfen Sie operativ tätigen Kolleginnen und Kollegen bei der Weiterbildung und Entwicklung neuer Operationstechniken.“
So heißt es auf der Webseite einer Universität zum Thema Körperspender. An jeder medizinischen Fakultät gibt es ein anatomisches Institut. Und an fast jedem anatomischen Institut kann man sich über Körperspenden informieren.
Der letzte Wille
Wer Körperspender ist, hat sich zu Lebzeiten ganz bewusst dafür entschieden, seinen Körper der Lehre zur Verfügung zu stellen. Er hat ein Testament oder einen speziellen Vordruck ausgefüllt und dem nächstgelegenen anatomischen Institut zukommen lassen. Dieses hat ihm einen Spenderausweis geschickt, den er zusammen mit dem Personalausweis im Portmonee aufbewahrt. Seinen Wunsch zur Körperspende kann er jederzeit ohne Angabe von Gründen wiederrufen. Hierzu genügt die kurze schriftliche Mitteilung an das Anatomische Institut: "Hiermit trete ich von meiner mit dem Anatomischen Institut der Universität XY getroffenen Körperspende-Vereinbarung zurück."
Anatomisches Institut veranlasst Überführung
Im Todesfall wählen Verwandte, Bekannte oder das Krankenhaus die auf dem Spenderausweis vermerkte Nummer und benachrichtigen das anatomische Institut, welches die Überführung veranlasst und alle weiteren Formalitäten übernimmt. Nicht jeder Körper ist geeignet. Sektionen oder Organtransplantationen gehen vor, gefährliche ansteckende Krankheiten wie AIDS oder Tuberkulose machen eine weitere Konservierung und Nutzung unmöglich. Nach Annahme des verstorbenen Körperspenders führt ein Arzt des anatomischen Institutes eine zweite Leichenschau durch, bevor weitere Maßnahmen ergriffen werden.
Leichenkonservierung
Um den Leichnam vor der natürlichen Verwesung zu schützen, muss er so schnell wie möglich konserviert werden. Dieses Verfahren dauert ein halbes bis ein Jahr. In mehreren Arbeitsschritten wird der Körper komplett mit einer Formalin-Mischung durchtränkt. Das führt zur Eiweißdenaturierung und -vernetzung und verhindert die Autolyse. Alle Organe und Strukturen werden so in möglichst natürlichem Zustand konserviert. Erst danach können die Körper präpariert werden.
Präparieren ist eine ärztliche Tätigkeit
Das Präparieren ist Ärzten, speziellen Mitarbeitern der Institute und Medizinstudenten vorbehalten. Die Human- und Zahnmediziner lernen im Rahmen des Präparierkurses die menschliche Anatomie in allen Details kennen. So haben sie später eine genaue Vorstellung vom Körper des Patienten und können ihre Behandlung optimal ausrichten. An den Körperspendern finden auch die Testate und ein Teil der 1. Ärztlichen Prüfung („Physikum“) statt. Zum Teil dürfen auch approbierte Ärzte in den Präpariersaal, um wichtige Techniken auf ihrem Spezialgebiet zu trainieren, zum Beispiel eine Hand-Operation. Die Mediziner hingegen erfahren Nichts über den Körperspender; weder Name, noch Alter, Herkunft oder Krankheiten. Bei der abschließenden Trauerfeier werden die Namen der Spender verlesen, aber nicht den Personen zugeordnet.
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Das 3B Scientific-Anatomiespecial
Dieser Artikel ist Teil des redaktionellen Specials zum Thema Anatomie, das wir dir mit freundlicher Unterstützung von 3B Scientific, dem renommierten Hersteller anatomischer Modelle, präsentieren können. |
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Zwei Jahre nach dem Tod
Etwa zwei Jahre nach dem Tod wird der Leichnam in ein Krematorium überführt. Die Urne wird anschließend auf einem für Körperspender reservierten Gräberfeld des örtlichen Friedhofs beigesetzt. Auf Wunsch kann die Beisetzung auf einem anderen Friedhof stattfinden.
Wichtig zu wissen ist, dass die Körperspender keinesfalls Geld für ihren Dienst erhalten. Sie übernehmen sogar die Kosten für die Bestattung in Höhe von 1.000 bis 1.200 Euro, da den anatomischen Instituten kein Sterbegeld mehr zusteht. Das wurde bis vor wenigen Jahren von den Krankenkassen bezahlt. Das anatomische Institut übernimmt alle mit der Beisetzung verbundenen Aufgaben und Formalitäten wie Überführung, Einäscherung, Bestattung und Organisation der Trauerfeier.