Das Erstellen von Arztbriefen fällt mit der Zeit immer leichter
MEDI-LEARN Redaktion
Verfassen eines Arztbriefes
E-Mail und SMS haben den klassischen Brief schon fast verdrängt, wird vielfach angenommen. Im Krankenhaus tätige Ärzte wissen es besser: Für sie gehört das Erstellen von schriftlichen Mitteilungen an ihre niedergelassenen Kollegen oder an Mediziner in anderen Kliniken zum beruflichen Alltag. Verschickt werden diese Texte trotz Datenautobahn und allgegenwärtiger Internet-Hotspots zumindest bisher ganz traditionell mit Umschlag und Marke per Post. Denn streng genommen handelt es sich bei diesen manchmal sehr ausführlichen Berichten nicht nur um medizinisch, sondern auch juristisch relevante Dokumente.
Dass viele der sogenannten Arztbriefe in ein paar Minuten vom Tisch sind, ändert an ihrer Bedeutung nichts. Und wenn es um ein Entlassungsschreiben nach mehrwöchigem oder -monatigem Aufenthalt geht, kann das Abfassen leicht eine Stunde oder länger dauern. Gerade dann sind ein paar Gedanken vorweg zu Inhalt und Aufbau unerlässlich – ganz so wie früher beim Schulaufsatz.
Gelauscht (Foren)
Etwas zur Aufheiterung: Kleine Tippfehler in Briefen, die manchmal für ordentliche Erheiterung sorgen können:
Wie eine gute Gliederung aussieht, hängt stark von der Fachrichtung ab, und möglicherweise gibt es in deiner Abteilung sogar verbindliche Standards. Denn einerseits soll der weiterbehandelnde Arzt mit dem Text später etwas anfangen können, und andererseits gilt es, Schadensersatzforderungen von Patienten oder Angehörigen aufgrund missverständlicher Darstellungen im Text möglichst auszuschließen.
Da schon einzelne Formulierungen zum Auslöser für Gerichtsverfahren werden oder den Ruf deines Krankenhauses schädigen können, sind Arztbriefe letztlich Chefsache: Was du geschrieben hast, wird immer mindestens von einem Oberarzt gegengelesen und nicht allein von dir, sondern außerdem von ihm und eurem Abteilungs-Chef unterzeichnet. Das passiert nur selten von heute auf morgen, und nicht selten werden vor dem Unterschreiben inhaltliche Korrekturen und Ergänzungen angeordnet.
Wie genau der ideale Arztbrief nach Meinung deiner Vorgesetzten auszusehen hat, lässt sich natürlich nicht vorhersehen. Aber ein paar Tipps für den Einstieg können trotzdem nicht schaden. Was du beispielsweise nie schreiben solltest, ist der Satz „Die Vorgeschichte unseres gemeinsamen Patienten dürfen wir freundlicherweise als bekannt voraussetzen“! Gerade in der Korrespondenz zwischen niedergelassenen Ärzten tauchen solche Formulierungen immer wieder auf, aber sinnvoll sind sie deshalb noch lange nicht.
Kommt nämlich dieser Patient irgendwann als Notfall ins Krankenhaus und bringt ein derartiges Schreiben mit, dann kennen die behandelnden Ärzte dort die Vorgeschichte eben nicht. Selbst wenn es denen gelingt, ihren schreibfaulen Kollegen telefonisch zu erreichen und so hoffentlich die fehlenden Informationen zu erhalten, kann das wertvolle Zeit kosten. Zudem herrscht in Deutschland das Prinzip der freien Arztwahl. Es darf nicht einfach vorausgesetzt werden, dass jemand zur weiteren Behandlung immer wieder genau dorthin zurückkehrt, wo angeblich „die Vorgeschichte bekannt“ ist.