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Master of Science in TCM

Erfahrungen einer Ärztin

Alina K.

Was ist eigentlich TCM und kann man das studieren?
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) erfreut sich mittlerweile auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Doch was ist überhaupt TCM? Noch vor einigen Jahren, während des Studiums, hätte ich mit dem Begriff allenfalls geheimnisvolle Praktiken aus Fernost, wenn nicht sogar eher das Zusatzsortiment eines bekannten Kaffeerösters verbunden. Dass ich jetzt, zweieinhalb Jahre nach Abschluss des Medizinstudiums, noch einen Master of Science in diesem Fach machen würde, hätte ich nie gedacht.

Schon immer erfüllte mich das Arbeiten im Krankenhaus leider nicht völlig. Lange Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung und eine Arbeitsatmosphäre, die nur zu oft von Stress, Zeitdruck und schlechter Laune geprägt war, gaben mir bisweilen das Gefühl, fehl am Platz zu sein. Dazu kam, dass ich oft die Behandlung der Patienten als unbefriedigend empfand, da durch Vorgaben der Krankenkassen und die Macht der Pharmafirmen Therapiemöglichkeiten nicht ausgeschöpft werden konnten. All diese Faktoren ließen mich nicht nur an meiner Berufswahl, sondern auch an mir selbst zweifeln, hatte ich doch einst mit guten Absichten und großen Zielen dieses Studium begonnen.

TCM als Alternative nach dem Medizinstudium
Nach einigen Recherchen fand ich die Möglichkeit, an der Technischen Universität in München ein Masterstudium TCM zu absolvieren. Schnell las ich mich ein wenig in das Thema ein und fand sofort Interesse daran. Der Studiengang richtete sich nur an Ärzte; der zweite Abschnitt der ärztlichen Prüfung war Voraussetzung. Zusätzlich war das Studium berufsbegleitend, also in Teilzeit aufgebaut und hatte nur an einigen wenigen Tagen im Monat Präsenzzeiten. Ohne irgendwelche Vorkenntnisse schickte ich kurz vor Anmeldeschluss im Mai meine Bewerbung ab und wurde zugelassen.

Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde und war am ersten Tag überrascht, an was für unterschiedlichen Zeitpunkten im Leben die anderen Teilnehmer standen. Einige Studenten wollten sich gleich nach dem Medizinstudium weiterbilden, andere waren schon mitten in der Facharztausbildung. Wieder andere nutzten ihre Elternzeit für das Studium und ein großer Teil war sogar schon in eigener Praxis tätig und wollte den Patienten weitere Therapiemöglichkeiten eröffnen oder eine Umstellung von Kassenpraxis auf Privatpraxis vornehmen.

Die Inhalte der TCM
Die Traditionelle Chinesische Medizin ist eine jahrtausendalte Behandlungsmethode, die durch vermehrte Publikationen auch immer mehr an Wissenschaftlichkeit gewinnt. Sie besteht aus den fünf Säulen: Akupunktur, Phytotherapie, Diätetik, Tuina (manuelle Therapie) und Qigong/ Taiji. Chronische Leiden ebenso wie akute Infektionen können mit der TCM gut und erfolgreich behandelt werden. In der Praxis finden vor allem die Akupunktur und die Phytotherapie Anwendung. Es gibt über 360 Akupunkturpunkte, aus denen der Arzt je nach Problematik des Patienten auswählen kann. Mithilfe von sehr feinen Nadeln soll hiermit der Energiefluss beeinflusst werden.

Die Arzneimitteltherapie besteht zum überwiegenden Teil aus Pflanzenbestandteilen, wie Wurzeln, Blättern, Blüten oder Früchten. Entgegen vieler Vorurteile wird in Deutschland sehr stark auf Artenschutz geachtet und es finden kaum tierische Erzeugnisse Anwendung. Aus den verschiedenen Kräutern stellt der Arzt für den Patienten ein individuelles Rezept zusammen, welches dieser dann in Apotheken mit TCM Abteilung einlösen kann. Das Erstgespräch ist sehr ausführlich und kann bis zu einer Stunde dauern. Dabei wird nicht nur dem Hauptsymptom des Patienten Beachtung geschenkt, sondern auch nach Schlaf, Verdauung und Psyche gefragt.

Vom Studium zur Praxis
Das Lernen im Studium erfolgt in kleinen Gruppen und ist damit ein Kontrastprogramm zum Medizinstudium. Praktische Übungen sind ein fester Bestandteil, sodass man das Erlernte gleich in seinem Arbeitsalltag umsetzen kann.

Mittlerweile befinde ich mich im vierten Semester. Noch vor dem Studium hatte ich meine Facharztausbildung Allgemeinmedizin begonnen. Während des ersten Semesters kam mein Kind zur Welt und dank des berufsbegleitenden Teilzeitmodells konnte ich die Elternzeit genießen und dennoch am Studium teilnehmen, was wirklich gut klappte. Es gibt sogar die Möglichkeit, Kinder zum Studium mitzunehmen und im selben Haus betreuen zu lassen. Auch ohne Facharzt ist es mir jetzt schon möglich, Patienten zu behandeln.

Die Nachfrage nach alternativen Therapiemethoden wächst ständig und die Chinesische Medizin wird sehr gerne angenommen. Weiterbildungen oder Lehrgänge für TCM gibt es viele, ein wissenschaftlich fundiertes und systematisches Studium für Ärzte an einer Universität außerhalb von China aber nur eins. Das TCM Studium an der TU hat mir wieder neuen Aufschwung verliehen und ermöglicht mir ein Arbeiten, in dem nicht die Zeit, sondern tatsächlich der Patient im Mittelpunkt steht.

 

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