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Fehler passieren, aber wie geht man am besten mit ihnen um?

Vermeiden, eingestehen, daraus lernen

MEDI-LEARN Redaktion

Ärzte im OP

Nicht jeder Fehler kostet gleich ein Leben. Du hast dir aber einen Beruf mit viel Verantwortung ausgesucht, in dem du eine Menge bewirken kannst – zum Positiven wie zum Negativen. Fehler passieren und es ist immer wieder schwer, den Weg zwischen Verdrängen und lebenslangen Selbstvorwürfen zu finden. Weil jeder Fehler macht, wurden zum Glück schon eine Menge Strategien entwickelt, mit ihnen umzugehen. Außerdem bringen die Fehler anderer dir gelegentlich einen Vorteil, nämlich wenn sie mitgeteilt werden: Du kannst aus ihnen lernen, ohne die Fehler selber zu machen.

Unachtsamkeit, Unwissen, mangelhafte Kommunikation

Jeder Arzt wird im Laufe seines Berufslebens in die Situation kommen, durch Unachtsamkeit, Unwissen oder mangelhafte Kommunikation Fehler zu begehen, die im besten Fall schnell zu korrigieren sind oder im schlimmsten Fall zu dauerhaftem Schaden für Patienten oder auch Kollegen führen können. Beispiele hierfür sind mannigfaltig: Falsche Interpretation bzw. mangelhafte Erhebung von Untersuchungsbefunden, die zu Fehldiagnosen führen; falsch angesetzte Therapien, iatrogene Verletzungen bei invasiven Eingriffen, Stich-/Schnittverletzungen, die Kollegen verletzen und diese einem Infektionsrisiko aussetzen oder auch eine voreingenommene Gesprächsführung mit Patienten, die sich im Nachhinein als unpassend herausstellt.

Surftipp

Ein interessanter Artikel zu standardisierten Fehlervermeidungsstrategien aus der Chirurgie

Alles dokumentieren

Fehler kannst du verdrängen, „vergessen“ oder dir „schön reden.“ Du kannst sie aber leider nicht ungeschehen machen. Deshalb ist es zunächst wichtig, dir selbst den Fehler einzugestehen und ihn dann zu analysieren. Frage dich, welche Fakten zu der Situation geführt haben: Überforderung? Hat die Situation deinen Ausbildungsstand überschritten? Warst du unachtsam, müde? Has du dir genügend Informationen eingeholt? Du solltest dir auch darüber klar werden, inwieweit der Verlauf schicksalhaft oder vermeidbar war. Nach deiner Analyse wird dir sicher klarer sein, wo du hättest anders reagieren müssen – fachlich oder durch Hinzuziehen von Hilfe. Außerdem musst du jetzt mit der Situation „nach dem Fehler“ umgehen und realistisch sehen, wie du den Patienten jetzt da durch führen kannst.

Flucht nach vorn

Nachdem du dir selbst den Fehler eingestanden hast, ist es Zeit, mit Anderen darüber zu reden. Erstens mit den Vorgesetzten, da sie formal verantwortlich sind, dir aber aufgrund ihrer Erfahrung Hilfe geben können – und die kannst du nur erwarten, wenn der Chef rechtzeitig von dem Problem erfährt. Zweitens mit dem Patienten beziehungsweise dem Geschädigten. Das bist du ihm schuldig und ein ehrliches Gespräch erhält zumindest noch einen Rest Vertrauen. Unehrlichkeit oder Verschweigen dagegen zerstören das Vertrauensverhältnis komplett. Entschuldige dich und sprich medizinische und rechtliche Konsequenzen an. Drittens kannst du dich an Kollegen wenden. Auch sie können dir fachlich helfen und dich wieder aufbauen. Das Reden an sich kann dir auch beim Umgang mit dem Fehler helfen. Im Umkehrschluss heißt das, dass du selber Kollegen – auf kollegiale Art – auf deren Fehler hinweisen beziehungsweise diese besprechen kannst. Das steigert die Qualität.

CIRS – Fehler anonym teilen

Ein System, welches mittlerweile in vielen Kliniken etabliert ist, ist das CIRS. In das „Critical Incident Reporting System“ können Mitarbeiter eines Krankenhauses anonym kritische Ereignisse und Beinahe-Schäden eingeben. Diese werden über eine geschlossene Internetplattform mitgeteilt – Experten nehmen dazu Stellung und bieten Lösungsansätze. Ziel des CIRS ist es, Kollegen vor ähnlichen Fehlern zu bewahren, selber aus den Fehlern anderer zu lernen und damit die Patientensicherheit zu erhöhen.

Kommunikation ist alles

unser Tipp

Take-Home-Message: Es ist keine Schande, einen Fehler zu begehen, aber nimm ihn an und lerne daraus!

Von Piloten lernen

Häufig helfen schon einfache, eigentlich banale Methoden dabei, Fehler zu vermeiden. Dazu gehört, niemals „zwischen Tür und Angel“ zu agieren, sondern immer bei der Sache zu sein. Wenn du einen Patienten nicht kennst, frag noch einmal nach dem Namen. In vielen Kliniken ist es Standard, das zu operierende Körperteil mit einem Edding zu markieren, damit nicht das falsche Knie operiert wird. Checklisten, zum Beispiel für den OP, setzen sich immer mehr durch. Die Idee kommt aus der Luftfahrt – Checklisten helfen, bereits existierende Sicherheitsstandards einzuhalten und erhöhen dadurch die Patientensicherheit. Solche Beispiele gibt es viele. Hole dir bei Stress immer Hilfe. Frage lieber einmal mehr nach. Denn trotzdem gilt: Fehler vermeiden ist noch besser, als danach richtig mit ihnen umzugehen.

 

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